Dein Glaube hat dir geholfen!
Zur PDFGottesdienst Landesgartenschau 31.07.16 Luk 17, 11-19
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Wir wollen in der Stille um Gottes Segen für diese Predigt bitten. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. A.
Ein Apfel. Die ersten Kornäpfel sind jetzt wieder reif. Früher war das etwas Besonderes. Ende Juli, wenn das Getreide reif war und geerntet wurde, waren die letzten Äpfel des vergangenen Herbstes längst gegessen – oder verschrumpelt und verfault. Man sehnte sich nach dieser saftigen süßsauren Köstlichkeit. – Sie hielten sich nicht lang, man musste sie gleich essen.
Heute ist ein Apfel für die meisten Menschen nichts Besonderes mehr. Äpfel gibt es das ganze Jahr und ein dreiviertel Jahr nach der Ernte sehen sie im Juli noch frisch und knackig aus, weil sie im sauerstofffreien Kühlhaus unter optimalen Bedingungen gelagert wurden. Äpfel, reif und schön, nichts Besonderes.
Für mich aber schon. Ich will Ihnen meine Apfelgeschichte erzählen, bevor ich den Predigttext lese, Sie werden nachher verstehen, warum. Als junger Mann, so mit ca. 25 Jahren stellte sich bei mir eine Apfelallergie ein. Wenn ich einen Apfel aß, bekam ich bald darauf ein Kratzen und Jucken im Hals, als ob eine Halsentzündung im Anzug war. Später genügte schon ein Apfelstückchen, um diesen Juckreiz auszulösen. Vielleicht kennen das manche von Ihnen auch. Über 30 Jahre war ich oft ein bisschen neidisch, wenn jemand herzhaft in einen Apfel biss und in genüsslich zerkaute. Das konnte ich nicht, leider.
Es war in einem Urlaub, vor ca. 8 Jahren. Wir waren mit unserem Wohnmobil Anfang September in Burgbernheim, einem kleinen fränkischen Städtchen und machten einen Abendspaziergang durch eine alte Streuobstwiese. Die Apfelbäume hingen dick voll mit wunderbaren rotbackigen alten Apfelsorten. Ich hob einen auf, weil er so schön war. Rot, glänzend, verlockend. Mit meinem Taschenmesser halbierte ich ihn. Der Saft tropfte aus dem Fruchtfleisch. –
Ob ich es wage und mal ein kleines Stück probiere? Ich schnitt eine schmale Spalte ab und steckte sie vorsichtig in den Mund. Sie schmeckte wunderbar! Und ich wartete auf das Kratzen und Jucken im Hals. – Aber nichts passierte. Ich schob noch ein Stück in den Mund und noch eins, genoss den süßen Apfel und musste es nicht bereuen. Die Allergie war weg. Einfach weg! Ich wurde mutiger, aß noch einen Apfel und noch einen und fing an innerlich Gott zu danken: Mein Gott, danke, dass ich wieder Äpfel essen kann!
Seit jenem Septembertag habe ich bestimmt einige Zentner Äpfel mit Genuss verspeist. Meistens denke ich mir gar nichts mehr dabei. Wie selbstverständlich greife ich nach einem Apfel. – 30 Jahre lang konnte ich keinen essen! – Längst ist es mir wieder nichts Besonderes mehr. – Bis vor ein paar Tagen, als ich an meinem Schreibtisch saß und die Predigt für diesen Gottesdienst vorbereiten wollte. Als biblischen Text für das Thema Dankbarkeit hatten wir eine Geschichte aus dem Lukasevangelium vorgesehen, den ich Ihnen jetzt vorlesen möchte:
Er steht bei Lukas im 17. Kapitel:
Es begab sich, als Jesus nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa zog. Als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von Ferne, erhoben ihre Stimme und riefen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Als Jesus sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer von ihnen lief zu Jesus zurück, als er merkte, dass er gesund geworden war. Laut lobte er Gott. Er warf sich vor Jesus nieder und dankte ihm. Und das war ein Mann aus Samarien. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht zehn gesund geworden? Wo sind denn die anderen neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben als nur dieser Fremde? Und Jesus sprach zu dem Samariter: Steh auf, geh hin, dein Glaube hat dir geholfen.
Als ich über dieses Wunder nachdachte und über das Verhalten der Geheilten, der neun, die nicht gedankt haben, ist mir mein Apfelerlebnis in den Sinn gekommen. Ich gebe zu ich war beschämt. Ich hatte nach einem Beispiel, nach einer Geschichte gesucht, in der Menschen vergessen hatten zu danken. Natürlich habe ich auch darum gebetet, dass Gott mir etwas einfallen lässt.
Gott hat dieses Gebet erhört. Mir ist eingefallen, dass ich mit der Heilung von der Apfelallergie da vor Jahren ein großes Wunder erlebt habe. Aber mir ist auch klar geworden, wie wenig dankbar ich dafür bin. Ja, bei den ersten Äpfeln, da hab ich wohl immer wieder mal Gott gedankt, aber bald hab ich’s vergessen.
Ist das nicht typisch für uns? Solange wir unter etwas leiden und die Not groß ist, da klagen wir und schreien: Wie groß die Not ist und dass es doch ungerecht ist, dass ausgerechnet wir diese Krankheit oder jenen Mangel haben oder dass ausgerechnet mir dieses Schicksal widerfährt. Die Leprakranken in unserem Heilungswunder schreien: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Sie schreien und klagen laut, denn es war ja auch schlimm, diese Krankheit zu haben, von der es gewöhnlich kein Genesen gab.
Jesus wendet sich Ihnen zu und schickt sie zu den Priestern, die damals auch so etwas wie das Gesundheitsamt waren. Sie mussten einen Menschen untersuchen und feststellen, ob er wieder gesund war und wieder in menschliche Gemeinschaft durfte. Sie mussten bestätigen, dass keine Ansteckungsgefahr mehr gegeben war.
Auf dem Weg zu den Priestern wurden die Kranken auf wunderbare Weise gesund. Der Priester erlaubte ihnen, wieder aus der Isolation nach Hause, zurück in ihre Familien zu gehen. – Ein Wunder! Todgeweihte haben wieder eine Zukunft! Was für ein Jubel, was für eine Freude! Sie sind nicht mehr zu halten. Sie rennen los, heim, zu den Eltern, zur Familie. Stellt Euch vor, ich bin wieder gesund!
Aber nur einer denkt an den Dank. Bevor er das neue Leben genießt und den Jubel in der Welt verkündet, geht er zurück zu Jesus. Er fällt vor ihm nieder, dankt und gibt Gott die Ehre. Einer von Zehn. Dankquote 10 %. Nicht viel. Wie undankbar sind die Neun. Aber Vorsicht vor schnellem Urteil! – Ich weiß nicht, ob ich wenigstens bei jedem 10. Apfel, den ich in den letzten Jahren gegessen habe Gott gedankt habe, dass ich das wieder kann. – Wahrscheinlich nicht. Dankquote unter 10 %.
Wie hoch ist die Dankquote in Ihrem Leben? Die Bittquote und die Jammerquote, die Klagequote und die Neidquote dürften in jedem Fall höher sein. 90 % Unzufriedenheit oder Gleichgültigkeit, 10 % Dankbarkeit? Ich denke, die meisten unter uns hätten Anlass beschämt zu sein über unsere Undankbarkeit. Wir leben in einem der reichsten Länder dieser Erde. Wir haben so viele Annehmlichkeiten, Freuden und Schönheiten um uns.
Schauen Sie sich um auf diesem Gelände! Musik für die Augen! Nicht nur! Wir können uns bewirten lassen, im Frieden beieinander sitzen, miteinander reden, genießen. Doch wieviele der Besucher dieser Landesgartenschau werden bei dem Anblick der Blumen und Pflanzen Gott danken? Einer von Zehn? Zehn von Hundert? Ich fürchte es sind weniger.
Noch größer als die Wunder der Pflanzenwelt und als ein Wunder der Heilung, das man persönlich erlebt, ist das Wunder der Liebe Gottes. Dass der Herr nicht die Geduld mit uns verliert. – Dass er uns immer wieder einlädt, nachgeht, ruft und anspricht. Das Wunder, dass wir mit unserem kleinen Leben und unseren großen Sorgen zu ihm kommen dürfen, obwohl wir so undankbar sind.
Gisela Streng wird uns jetzt ein Lied von Albert Frey singen, das uns Mut macht, zu Jesus zu kommen und alles vor ihn hinzulegen:
Herr, ich komme zu dir und ich steh vor dir so wie ich bin.
Wenn wir zu Gott kommen mit unseren Gebeten, dann empfängt er uns nicht mit Vorwürfen, sondern mit Freundlichkeit und Liebe. Auch die, die viel zu wenig gedankt haben oder die durch ihren unachtsamen Gebrauch der Schöpfung geschadet haben und sogar die, die lange Zeit überhaupt nicht an ihn gedacht haben. Er empfängt uns herzlich. Er nimmt unseren vielleicht sehr späten Dank an ohne uns böse zu sein. Er vergibt uns, wenn wir ihn darum bitten und befreit von Schuld und Druck.
Zu dem dankbaren Geheilten sagt Jesus: Dein Glaube hat dir geholfen. Der Glaube an Gott den Schöpfer und Jesus, den Mensch gewordenen Gott hilft immer! Er hilft aus Angst, er hilft aus Einsamkeit. Der Glaube hilft aus Sorgen und er hilft in Krankheitsnöten auch dann wenn keine Heilung geschieht. Zu wissen, Gott gibt mir die Kraft, die ich brauche. Er nimmt sich meiner Probleme und Nöte an. Er geht mit mir in das schwere oder schöne Morgen.
Was ist das für eine wunderbare Zusage, die auch Sie sich heute mitnehmen dürfen, wenn Sie nach diesem Gottesdienst wieder aufstehen und den Rundgang durchs Gelände fortsetzen. Die Zusage: „Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen!“ – Vielleicht wollten Sie gar nicht zu diesem Gottesdienst und sind eher zufällig auf einem der Stühle hier gelandet, weil Sie unsere Bläser vorhin gehört haben oder die Band.
Dann nehmen Sie es als persönliche Einladung Gottes, der heute mit Ihnen reden wollte. Der Ihnen heute Mut machen, Freude schenken und die Augen und Ohren öffnen wollte für seine Geschenke, seine Wunder und seine Liebe.
Nehmen Sie sich die Zeit nachher hier irgendwo auf einem Stuhl oder auf einer Bank und reden Sie mit Gott, vielleicht auch heute Abend daheim. Geben Sie ihm die Ehre über Ihrem Leben. Dass er Sie bisher geführt hat und bewahrt, vielleicht auch von mancher Krankheit geheilt und aus der einen oder anderen Tiefe geholt hat.
Ich möchte wieder viel öfter danken, wenn ich in einen Apfel beiße und ihn genieße, wenn meine Kinder und Enkel mich besuchen, wenn ich am Morgen neben meiner Frau aufwache, wenn ich mich an einen gedeckten Tisch setze oder bevor ich ihn gesättigt verlasse.
Der Ausspruch: „Gott sei Dank“ ist schon noch weit verbreitet in unserem Alltag. Aber sehr oft wird er gedankenlos gebraucht. Wer „Gott sei Dank“ sagt und dabei nicht wirklich Gott die Ehre gibt, der beleidigt Gott. Vielleicht, hoffentlich merken Sie es noch, wenn ihnen diese drei Worte über die Lippen kommen. Dann geben Sie Gott die Ehre und fügen in Ihrem Herzen das Gebet hinzu: „Ja Gott, ich will dir wirklich danken und ich hab so viel Grund zum Danken.“
Sie bekommen von uns nachher noch eine Karte mit dem Motto unseres Gottesdienstes „Gott sei Dank“. „Nimm‘s doch wörtlich…“ steht noch dabei. Und dann ist da eine Anzahl appetitlicher Äpfel auf der Karte zu sehen, die Sie vielleicht man meine Apfelgeschichte erinnern.
Sie haben sicher Ihre eigenen kleinen und großen Wunder, an die Sie sich erinnern, wenn Sie ein wenig nachdenken. Gott sei Dank gibt’s die in jedem Leben. Rennen Sie nicht einfach weiter durchs Leben, wenn Sie Hilfe oder Heilung erfahren, wenn Sie Bewahrung erleben oder Ihnen Gutes widerfährt. Geben Sie Gott die Ehre! Gehen Sie vor Jesus auf die Knie, der uns das größte Wunder zuteilwerden lässt, das es gibt: Er trägt für uns das Kreuz, nimmt unsere Schuld auf sich, vergibt unsere Sünden, besiegt für uns den Tod. Gott sei Dank ist er stärker als alle bösen Mächte und wird am Ende siegen.
Mein Gott, ich danke dir, dass du mich lieb hast und für mich sorgst. Ich vertraue dir mein Leben und meine Zukunft an. Ich danke dir und will dir allein die Ehre geben.
Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168