Das sollten alle Menschen erfahren, dass ein Heiland, ein Retter mitten unter uns ist!
Zur PDFChristfest 25. und 26.12.2014 Kreuzkirche, Lukas 2, 15-20
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten. …Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Unser heutiges Schriftwort für die Predigt ist der letzte Teil der Weihnachtsgeschichte, wie sie der Evangelist Lukas im 2. Kapitel berichtet. Luk.2, 15-20:
Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
Die Heilige Nacht ist vorbei und doch hören wir nach dem Plan unserer Predigttexte in diesem Jahr noch einmal einen Teil dieser so bekannten Geschichte. Vielleicht gut. Bei Tageslicht sieht ja manches ganz anders aus, hört sich manches anders an. Die Heilige Nacht ist vorbei, wie gehen wir nun um mit der Botschaft der Heiligen Nacht?
Bei den meisten großen Ereignissen kommt es darauf an, was die Beteiligten oder Betroffenen hinterher daraus machen. Eine wunderbare Hochzeit, die Braut in traumhaftem Kleid, Der Bräutigam wartet am Altar der barocken Basilika. Solisten und Instrumentalisten brillieren, die Orgel braust, der Pfarrer gibt sein Bestes. Gefeiert wird auf einem Schloss, der Koch ist eine Klasse für sich und die Hochzeitsreise ist unvergesslich.
Alles gelungen, aber erst danach kommt das Entscheidende. Was machen diese Eheleute jetzt daraus? Wie gestalten sie ihren Alltag, wie gehen sie nach ein paar Jahren miteinander um? Bleibt die Liebe, sind sie einander treu, tragen sie, einer des anderen Last? Nehmen sie einander immer wieder an?
Der dritte und letzte Teil des Weihnachtsevangeliums berichtet einiges über das Hinterher der Heiligen Nacht. Wie war das denn, als das Licht am Himmel wieder dunkel war, die Engelschöre verklungen und die himmlischen Heerscharen wieder heimgekehrt waren in ihr Reich?
Lukas berichtet, dass bei den Hirten das Erlebnis noch nachwirkt. Sie reden miteinander über das, was sie erlebt haben: Sie tauschen sich aus: Hast Du es auch gesehen? Den Glanz, dieses Licht, dieses Strahlen? Habt ihr diesen wunderbaren Chor gehört? Wie viele Sänger mögen das wohl gewesen sein? Und ihre Instrumente sagt der Hirte, der gern auf seiner selbstgeschnitzten Flöte bläst. So was hab ich noch nie gehört.
Ein anderer meint: Ich muss immer noch an das denken, was der Engel gesagt hat: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.“
Wer mag das sein? Ist das wirklich der Messias, der Beauftragte des Herrn, den schon die alten Propheten angekündigt haben? Das würde ja bedeuten, dass bald alles anders wird. Dass die Ungerechtigkeit ein Ende hat und man wieder hoffen darf. Dass die Steuerlast nicht mehr drückt und man nicht mehr Angst vor Verhaftung haben muss.
Und noch ein andrer: „Fürchtet Euch nicht! Immerzu geht mir der Satz durch den Kopf. Seit mich im vergangenen Jahr der Berglöwe so schwer verletzt hat, dass ich bald gestorben wäre, hab ich immer Angst, wenn ich im Dunkeln ein Geräusch höre. Und ich hab Angst vor dem Gutsherrn drüben in Bethlehem, der immer so grob ist, wenn mal ein Schaf zu wenig zurückkommt. Fürchtet euch nicht! Ein Leben ohne Furcht! Wie muss das sein!“
„Große Freude hat doch der Engel angekündigt. Ja, allem Volk! Ausgerechnet uns Hirten zuerst, wir sind doch sonst immer die letzten, die was erfahren. Das kann doch alles gar nicht sein. So was hat man doch noch nie gehört oder gesehen! Vielleicht hat uns nur der Hunger oder die Kälte die Sinne verwirrt.“
„Glaub ich nicht! Es hieß doch: Ihr werdet finden das Kind… und das habt zum Zeichen… Los, Leute! Auf, wir suchen das Kind. Wir schaun nach, ob das stimmt. Wir probiern das einfach aus, ob wir uns das alles nur eingebildet haben. Schlafen kann jetzt doch sowieso keiner von uns.“ – „Willst du nicht doch lieber bis morgen früh warten?“ – „Nein, jetzt auf der Stelle lauf ich los. Kommt mit, wir werden ja sehn ob da irgendwo ein neu geborenes Kind in seinen Windeln in einer Futterkrippe liegt…“
Sie gingen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Die Hirten glaubten den Worten Gottes aus dem Mund des Engels, sie suchten den Christus und sie fanden ihn. – Wer den Christus sucht, findet ihn immer. Wer den Worten Gottes glaubt, findet sie immer bestätigt. Wer sich auf den Heiland einlässt, erlebt, dass die Furcht weicht und dass die Freude wächst.
Wie oft hab ich das selbst schon erlebt oder haben es mir andere bestätigt. Da war große Furcht vor einer Operation, einer Diagnose, vor einer Prüfung vor einem Gespräch. Wir haben miteinander gebetet, haben uns auf die Worte Gottes besonnen und gestützt und die Angst musste weichen. Eine innere Ruhe, Gelassenheit, ja Freude stellte sich ein. Obwohl die äußeren Umstände gar nicht so angenehm waren.
Die Hirten suchen, finden und erfahren die gehörten Worte bestätigt. Reicht ihnen das? Nein! Sie sind der Meinung, das sollten alle anderen auch wissen. Dass der Heiland geboren ist, dass Gott den Frieden auf Erden will, dass er Freude schenkt, das sollten alle Menschen erfahren. Wo sie hinkommen, wo sie auf Menschen treffen, da reden die Hirten von dem, was sie erlebt haben. Sie geben die Botschaft Gottes weiter. Und alle die sie hören, wundern sich. Kein Wunder, dass sie sich wundern. Die Sache ist ja auch zu wunderbar. Ein Christus, ein Retter, ein Heiland mitten unter uns! Nicht furchterregend, nicht angsteinjagend, sondern freudeschenkend. Er lädt ein, ihn zu suchen und zu finden und mit ihm zu leben.
Wie ging es mit den Hirten weiter? Sie bezeugten ihr Weihnachtserlebnis überall wo sie hinkamen. Sie redeten von Jesus, von den Engeln und von der Botschaft des Friedens. Manche werden ihnen vielleicht geglaubt haben. Andere werden sich kopfschüttelnd abgewandt haben: „Das gibt’s doch gar nicht. Diese Hirten sind doch Gesindel. Sie wollen sich nur wichtigmachen. Die spinnen sich was zusammen und wollen uns für dumm verkaufen. Ein vernünftiger Mensch kann doch so was nicht glauben.“
Ja, so war das schon immer, ein Mensch der seiner Vernunft mehr glaubt als dem Wort Gottes, der kann vieles nicht glauben: Der glaubt die Schöpfung nicht und die Jungenfrauengeburt, die Wunder, die Jesus getan hat, versteht er nur symbolisch, genauso wie die Auferstehung. Und dass es kein ewiges Leben gibt, leuchtet seiner logisch gebildeten Vernunft auch viel mehr ein als das Gegenteil. – Allerdings befreit diese Vernunft nicht von Furcht und sie macht einen auch nicht fröhlicher. Paulus stellt einmal lapidar fest: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahrt Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Die Hirten damals haben jedenfalls dem, von den Engeln verkündeten Frieden Gottes mehr zugetraut als ihrer Vernunft. Darum haben sie Jesus gesucht, ihn gefunden, von ihm weitererzählt. Das blieb nicht ohne Folgen. Ihr Leben und ihre Arbeit veränderten sich. Vorher haben sie oft geschimpft und geflucht. Haben Gott angeklagt für alle Ungerechtigkeit in der Welt und in ihrem Leben. Nach der Heiligen Nacht heißt es von ihnen: „Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gesehen und gehört hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“
Wer Gottes Wort annimmt, wer Jesus als seinen Heiland ansieht, durch den er erlöst ist von aller Sünde, befreit von aller Furcht, der wird auch mit Freude beschenkt und tut, was die Hirten damals auch nur tun konnten: Sie priesen und lobten Gott. Wer seinen Lebensweg zurückschaut, wer die führende und bewahrende Hand Gottes darin entdeckt, wer die Wunder der Erde und des Weltalls bestaunt, kann doch immer nur zum Lob und zur Anbetung kommen.
So ist Gott! So tief kann er herabsteigen, dass er Mensch wird! So klein kann er sich machen, dass er als Kind zur Welt kommt! So freundlich kann er sein, dass er sich um mich bemüht, so gnädig, dass er meine Schuld vergibt; dass er meinen Kleinglauben aushält und manchmal meine Lieblosigkeit, meine Zweifel, meinen Egoismus. Trotzdem sagt er zu mir: Fürchte dich nicht! Dir bin ich geboren. Dir gilt meine Treue, meine Gnade, meine Erlösung, mein Friede.
Wissen sie, was das Geheimnis der Weihnacht ist? Dass man es macht wie die Hirten: Jesus suchen bis man ihn findet, ihn anbeten, von ihm erzählen und darüber zum Lobpreis kommen. Oder, wenn man eher der stillere und schüchternere Typ ist, dass man es macht wie Maria, von der es hier heißt: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Die Worte Gottes, die Weihnachtsbotschaft behalten und im Herzen bewegen. Ich fürchte ja, dass viele, die am Heiligen Abend im Familiengottesdienst oder in der Christvesper waren, die Worte schon beim Hinausgehen oder spätestens beim anschließenden Weihnachtsschmaus vergessen haben. Sie machen sich nicht die Mühe, wirklich darüber nachzudenken, was das für ihr Leben konkret bedeutet: Euch ist heute der Heiland geboren. – Und dann ist das ganz schnell weg. Es bleiben ein paar Weihnachtsrituale, die jährlich wiederholt werden, aber der tiefe Sinn bleibt verborgen.
Das ist sehr schade, wenn man das Geschenk nicht versteht und es ist tief beglückend, wenn man erkennt, was hinter einer schönen Verpackung für ein noch herrlicherer Sinn steht. Vielleicht kann ich es mit einer kleinen Geschichte noch verständlicher machen, mit der ich schließen will:
Ein fünfjähriges Mädchen war damit beschäftigt, eine Schachtel weihnachtlich zu verpacken. Von der Mutter verlangte sie Goldpapier und Schleifen und verbrauchte so viel davon, dass die Mutter schon ärgerlich wurde.
Am Heiligabend reichte die Kleine der Mutter das Päckchen und sagte mit leuchtenden Augen: Mami, für dich! Die Mutter wunderte sich und fing an auszupacken, all das viele schöne teure Weihnachtspier und die Bänder zu öffnen. Am Ende kam eine Schachtel zum Vorschein, die aber leer war.
Ratlos sah die Mutter die leere Schachtel an und dann die Tochter und den Vater, der das Ganze auch gespannt beobachtet hatte. Als der die leere Schachtel sieht, meint er etwas unwillig zur Tochter: Weißt du nicht, dass in einem Geschenk auch was drin sein muss? – Das Mädchen hatte Tränen in den Augen und antwortete: Aber die Schachtel ist doch gar nicht leer. Bevor ich sie eingepackt habe, hab ich ganz viele Küsse für Mami hineingeblasen.
Da nahm die Mutter die Tochter auf den Arm und bat sie um Verzeihung und bedankte sich.
Viele Jahre später, nach dem Tod der Mutter, fand die Tochter heraus, dass die Mutter die Schachtel sorgfältig aufbewahrt und immer hervorgezogen hatte, wenn sie entmutigt oder traurig war. Dann nahm sie einen Kuss aus der Schachtel und erinnerte sich an die Liebe ihrer Tochter.
So hat jeder Mensch eine Schachtel voller Liebesküsse von Gott. Die ganze Bibel ist voll davon: Zusagen und Verheißungen, Mut machende und tröstende Worte, vergebende und Hoffnung spendende Worte. Wir dürfen sie für uns nehmen, sie im Herzen bewegen und von ihnen weitersagen. Nur so bleibt Weihnachten lebendig und nur so verändert der Heiland unser Leben zum Guten.
Nur so wird das Lied lebendig und wahr: O du fröhliche, o du selige Gnadenbringende Weihnachtszeit. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168