Das ist der Hammer!
Zur PDF1. Sonntag nach Trinitatis, 10.06.2012, Jeremia 23, 16-29
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn J. Chr.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: …
Herr, wir bitten dich, erhöre uns und gib deinen Heiligen Geist. Amen.
Das ist der Hammer! Wie Deutschland bei der Fußball Europameisterschaft im ersten Spiel gegen Portugal gewonnen hat. Zwei mal Latte einmal Linie und Torwart Neuer mit toller Reaktion. Spannung bis zum Schluss. Der Hammer! Da schütteln Fußballfreunde den Kopf. – Und die Fußballmuffel auch.
Das ist der Hammer! titelten die Wise Guys vor zwei Jahren in einem ihrer deutschen a capella Lieder und sangen:
Völlig ohne Worte. Ein Tag von jeder Sorte, den man kaum erfassen kann. Das ist der Hammer. Das ist für die Ewigkeit. Sorgen, Ängste, Katzenjammer sind weit weg. Unendlich weit. Das ist der Hammer.
Das ist der Hammer! Bestimmt haben Sie auch schon diese Redensart verwendet. Wenn etwas Ungeheuerliches, Empörendes, Begeisterndes, völlig Unerwartetes passiert ist:
Das ist der Hammer! Der Hammer ist auch, was uns der Prophet Jeremia in unserem Schriftwort für die Predigt zumutet: Jeremia 23,16-29:
So spricht der Herr Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch, denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Munde des Herrn.
Sie sagen denen, die des Herrn Wort verachten: Es wird euch wohl gehen -, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen. Aber wer hat im Rat des Herrn gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört?
Siehe, es wird ein Wetter des Herrn kommen voll Grimm und schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen. Und das Wort des Herrn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen.
Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie.
Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren.
Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?
Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe? spricht der Herr. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? Spricht der Herr.
Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt. Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug verkünden und wollen, dass mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, wie auch ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal.
Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? Spricht der Herr.
Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?
Das war damals ein Hammer! Da kommt Jeremia, ein junger Mann aus Anatot vor den Toren Jerusalems daher, der gar keine Ausbildung zum Priester hatte und wirft den würdigen Priestern und ordinierten Propheten in Amt und Würden vor sie seien Lügner. Und gibt diesen ungeheuerlichen Vorwurf auch noch als Wort Gottes aus. „So spricht der Herr“!!!
Da standen sie sich nun gegenüber, der Klerus, die Berufspropheten und der einsame von Gott berufene Prophet. Und obwohl beide Seiten sich auf die Autorität Gottes beriefen waren ihre „Gottesworte“ doch total gegensätzlich.
Die Gläubigen und die Ungläubigen standen dazwischen und mussten sich entscheiden, wem sie glauben sollten. Denen im Amt und in Priestergewändern, die sich mit allem arrangierten. Mit den Herrschenden mit den Zeitströmungen, weltoffen, tolerant und multikulturell aufgeschlossen. Sie duldeten die zunehmende Religionsvermischung und schwiegen zu geistlichen und gesellschaftlichen Missständen. – Sie nahmen es ja oft selbst nicht so genau mit den Geboten und drückten dann auch bei anderen gern ein Auge zu. Macht nur so weiter, war ihre Botschaft. Der liebe Gott ist doch kein Unmensch.
Oder sollten die Israeliten des beginnenden 6. Jahrhunderts v. Chr. auf die Warnungen des Jeremia hören? Der vom Zorn Gottes über die Zustände und von seinem Gericht spricht? Behauptet doch dieser ungelernte Prophet, dass Gott keineswegs immer nur „lieb“ sei, wenn sich Menschen selbstherrlich über seinen Willen hinwegsetzen. Jeremia meint, dass Gott nicht immer nahe, sondern auch ferne sein kann. Immer dann, wenn Menschen seine Warnungen fortgesetzt überhören.
Bestimmt keine leichte Entscheidung für die Menschen des Jahres 597 v. Chr.. Wem sollen wir vertrauen? Wessen Worte sind wirklich Worte Gottes? – Aber, war das nur damals ein Thema? Ist nicht die Situation in der Gläubigen und Ungläubigen heute vergleichbar? Auch in unserer Zeit hat doch christliche Verkündigung diese Bandbreite. Von Anpassung bis Abgrenzung, von Beliebigkeit bis Bekenntnis.
Die einen benutzen die Bibel im Auswahlverfahren und suchen sich das heraus, was in ihre Träume und Visionen passt, andere interpretieren die Heilige Schrift so lange, bis sie zu ihren Lebensvorstellungen passt. Man segnet alles ab, auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Man betet mit Angehörigen anderer Religionen zu – ja zu wem eigentlich? Man hütet sich, den eigenen Glauben als den wahren Glauben, den Dreieinigen Gott als den einzigen Gott zu bekennen. Es ist alles möglich, der liebe Gott ist ja kein Spielverderber.
Und dann gibt es auch heute noch ordinierte und nicht ordinierte Boten Gottes, die vor solchem Verhalten warnen. Sie reden von Sünde und Umkehr, von Buße und Vergebung. Sie behaupten, die Gebote Gottes würden heute noch genauso gelten wie zu allen Zeiten. Sie bekennen Jesus Christus als den einen Herrn der Kirche, den Retter und Heiland, den Sohn des lebendigen Gottes. Sie nehmen die Worte der Bibel auch dann als Worte Gottes und heilige Schrift, wenn sie schwer zu verstehen und ganz und gar gegen die Meinung der Massen und Medien sind.
Und der Hammer ist: Beide berufen sich dabei auf Gott und setzen hinter ihre Worte das Gütesiegel: So spricht der Herr! Die Menschen – wir – stehen dazwischen und müssen uns entscheiden: Auf welche „Propheten“ will ich hören? Wessen Worten soll ich vertrauen? Was spricht wirklich der Herr, der Heilige Gott? – Manche versuchen auch sich um eine bewusste Entscheidung herumzudrücken, weichen aus und leben halt nach ihren eigenen Vorstellungen. – Aber damit haben sie ja auch eine Entscheidung getroffen.
Wer wirklich um die Wahrheit ringt, sollte es sich nicht zu leicht machen. Wichtig ist da zuerst das Gebet um den Heiligen Geist. Ohne den kann niemand die Wahrheit erkennen.
In der Erklärung des dritten Glaubensartikels hat es Dr. Martin Luther so ausgedrückt: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft oder Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten …
Den Heiligen Geist kann nur Gott schenken. Aber wir können und müssen auch heute die Worte der Propheten unserer Zeit an der Heiligen Schrift prüfen. Und zwar nicht nur an unseren Lieblingsstellen, sondern an allen ihren Aussagen, auch an den hammerharten.
Wer das tut, der wird klar unterscheiden können, was Gotteswort und was Menschwort ist. Und wenn er unterscheidet und nicht schweigt, wird er immer auf Widerstand stoßen. So wie Jeremia damals und wie die Jünger Jesu und die Apostel, wie die Protestanten, die sich vor 482 Jahren auf dem Reichstag in Augsburg hinter das Bekenntnis unserer Kirche stellten und die 28 Artikel des Augsburger Bekenntnisses unterschrieben. Sie wurden – von falschen Propheten – im Namen Gottes verurteilt und verdammt. Aber sie haben sich, wie Dr. Martin Luther auch davon nicht beirren lassen.
Im Johannesevangelium (14,26) lesen wir das Jesuswort: Der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren. Martin Luther schreibt dazu: Alle Rotten wollen den Heiligen Geist haben, damit ihnen geglaubt werde. Aber wenn wir dieses Wort Jesu ansehen, können wir recht urteilen und alles, was dagegen ist zurückweisen; < > Kommt nun einer und sagt mir etwas vor als vom Heiligen eist gelehrt und geoffenbart, so halte ich mich an dies Wort und halte seine Lehre dagegen als den rechten Prüfstein. Sehe ich nun, dass es übereinstimmt mit dem, was Christus sagt, so lasse ich’s recht und gut sein. Wo es aber zur Seiten aus und etwas anderes machen will, so spreche ich: Du bist nicht der Heilige Geist, sondern der leidige Teufel; der rechte Geist kommt in keines anderen Namen und lehrt nichts anders, als was Christus gelehrt hat.“ (Christl. Wegweiser S. 165)
Durch die ganze Geschichte der Kirche lässt sich beobachten: Falsche und echte Propheten agieren gleichzeitig. Die falschen Propheten passen sich an, zeigen meist einen modernen zeitgemäßen und kompromissbereiten Weg. Sie berufen sich auf ihre Ausbildung oder ihr Amt, auf die Autorität einer Institution oder auf die Liebe Gottes. Die echten Propheten berufen sich allein auf die Heilige Schrift. Ihre Aussagen stehen im Einklang mit dem Wort Gottes und den Worten Jesu.
Doch Vorsicht: Falsche Propheten haben Jesus ans Kreuz gebracht, im Namen Gottes. Aber es hat keine drei Tage gedauert, bis sich ihre Prophetie als falsch herausstellte. Der, den sie Gotteslästerer nannten, stand von den Toten auf, weil er wirklich der Sohn Gottes ist, der Heiland und Erlöser.
Auch zu Jeremias Zeiten hat es nicht lange gedauert, bis das Gericht Gottes kam in Gestalt feindlicher Truppen. Bis Jerusalem und der Tempel zerstört wurden, große Teile des Volks verschleppt wurden und sich die Worte der Propheten in Amt und Würden als falsch erwiesen.
Das echte und wahre Wort Gottes ist ein Hammer. Ein Hammer mit unglaublicher Durchschlagskraft. „Kein Fels, kein Erz bleibt stehn“! (EG 527,1) Wo sich Menschen, Staaten, Herrschende dem Wort Gottes widersetzen, da werden sie über kurz oder lang von diesem Hammer Gottes getroffen und zerschlagen. Wer sich aber unter das ewig gültige Wort Gottes stellt, seinen Stolz und Egoismus aufgibt, wird von diesem Wort Gottes gereinigt und gerettet. Trifft dann auf die Liebe Gottes. Das ist nicht nur einmal im Leben nötig, sondern immer wieder und das gilt für alle, ob mit oder ohne Talar, ordiniert, promoviert oder habilitiert oder auch nur konfirmiert.
Es reicht auch nicht, wenn wir diese Worte Jeremias an uns hören und zustimmend nicken und sie kennen, sondern wir müssen sie umsetzen und tun, sonst machen wir es wie der Schüler in der kleinen Dorfschule, als die Lehrer noch etwas strenger waren als heute.
Immer wieder passierte es einem Jungen, dass er in seinem Eifer den Lehrer mit Du ansprach, so wie er es von allen anderen Leuten im Dorf auch gewohnt war. Als ihm nach etlichen Ermahnungen wieder ein „Du“ herausrutschte, da griff der Lehrer zu einer pädagogischen Maßnahme, wie sie damals weit verbreitet war und ließ den armen Jungen 100 mal den Satz schreiben: „Ich muss den Herrn Lehrer mit Sie anreden“.
Am nächsten Morgen zeigte er seine Strafarbeit vor. Er hatte sauber und schön geschrieben, 100-mal. Der Lehrer strahlte und klopfte dem Buben lobend auf die Schulter. Auch der Schüler war stolz, von seinem strengen Lehrer solche Anerkennung zu erfahren. Und meinte dann ganz unverblümt: „Gell, Herr Lehrer, das hättst Du nicht von mir gedacht.“
Hundert mal geschrieben und nichts dabei gelernt. Über den Buben lachen wir, aber machen wir es nicht auch oft so: Hundertmal gehört oder gelesen, was Gott uns zu sagen hat, aber nichts dabei gelernt, nichts davon umgesetzt.
Wenn uns der Geist Gottes zeigt, dass wir, trotz unseres Wissens, den Willen Gottes nicht getan haben, dann heißt es: Umkehren und neu um Vergebung bitten, neu auf das Wort Gottes hören, neu dem Wort Gottes trauen. Das ist der Hammer, der alle Mauern und Widerstände bricht, der alle Täuschungen zerschmettert und unsere falschen Hoffnungen und Einstellungen zerbrechen lässt.
Es geht nicht anders. Gott muss immer erst das Falsche zerschlagen, bevor er Neues, Gutes und Beständiges bauen kann, das für die Ewigkeit besteht. Er tut das, wenn wir sein Wort ernst nehmen: Das ist der Hammer. Das ist für die Ewigkeit. Wenn wir der Macht seines Wortes trauen, dann gilt wirklich: Sorgen, Ängste, Katzenjammer sind weit weg. Unendlich weit. Das ist der Hammer.
Bitten wir ihn darum, dass er es bei uns tut:
Herr, wir bitten dich, dass du mit dem Hammer deines Wortes alles zerschlägst, was uns von dir trennt! Zünde in uns das Feuer deiner Liebe an und lass uns dich bekennen! Gib uns deinen Heiligen Geist, damit wir falsche und echte Propheten unterscheiden können
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168