Das Christuskind in der Krippe ist der Treffpunkt zwischen Gott und Mensch

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Christvesper
Matthias-Claudius-Kapelle, 24.12.2014 15Uhr

Christvesper
Matthias-Claudius-Kapelle, 24.12.2014 15Uhr

Orgelvorspiel oder Bläser

Begrüßung

Weihnacht ist die Wundernacht, die Engel künden’s laut.
Weihnacht will erzählen uns, was Hirten einst geschaut.
Der Liebe größtes Wunder kam zu uns auf die Welt.
Es kam als Kindlein arm und klein und doch als Fürst und Held.
Weihnacht ist die Wundernacht, der Himmel öffnet sich.
Gott, der Herr, schickt seinen Sohn und offenbaret sich.
Er möcht‘ die Welt erlösen von Sündenschuld und Nacht,
denn sein Erbarmen ist so groß und groß auch seine Macht.
Weihnacht ist die Wundernacht, o betet mit mir an.
Sagt den Menschen Groß und Klein, was Jesus hat getan.
Der Heiland ist geboren, das Opfer ist vollbracht.
Dem Herrn sei Ehre in der Höh für diese Wundernacht.

Herta Böttger-Begemann

Weihnachten ist Engelzeit. Engel, die Boten Gottes kommen zur Welt, kommen zu uns, um uns zu sagen, dass es Licht und Hoffnung gibt. Sie bringen eine wunderbare für uns mit: „Euch ist heute der Heiland geboren!“
Der Heiland, das ist der, der Ängste stillt, der Tränen trocknet, der Schuld vergibt. Jesus Christus stellt die gestörte Verbindung zu Gott wieder her.
Gott schenkt uns seinen Sohn. Daran erinnern uns die alten vertrauten Lieder und Lesungen, die wir heute wieder singen und hören. Sie wollen uns anstecken mit ihrer Freude:

Lied 13, 1-3 Tochter Zion, freue dich

Wort des Tages

Der Jünger Johannes bezeugt: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit. (Joh 1,14a)

Gebet

Lieber Vater im Himmel,
Wir sind heute hier zusammengekommen in der Erwartung, dass du uns die Freude der Weihnacht schenkst.
Wir bringen dir unsere Hoffnungen und unsere Ängste, unsere Traurigkeit und unsere Enttäuschung, unsere Schuld und unsere Zweifel und bitten dich: Räume alles aus, was deinem Kommen im Weg steht.
Lass uns im Bild der Krippe das Bild deiner Liebe erkennen. Gib deinen Frieden in unsere Herzen und Gedanken. Fang neu mit uns an und hilf uns neu zu werden. Amen

Lesung AT Jesaja 9, 1.5.6

Der Prophet Jesaja schreibt im 9. Kapitel
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finstern Lande scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.
Und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn.

Lied 30, 1-3 Es ist ein Ros entsprungen

Lesung Lukas 2, 1-7 Weihnachtsgeschichte Teil I

Bläser

Lesung Lukas 2, 8-14 Weihnachtsgeschichte Teil II

Kantor

Lesung Lukas 2, 15-20 Weihnachtsgeschichte Teil III

Lied 24, 1-5 Vom Himmel hoch, da komm ich her

Ansprache I Treffpunkt Krippe

Menschen haben Treffpunkte. Am Stammtisch oder im Kaffee, im Stadion oder am Bahnhof, im Winterdorf treffen sich die mit den kalten Füßen und in der Sauna die mit dem heißen Kopf.

Treffpunkte dienen dem Austausch, der Gemeinschaft, dem Erleben.

An Weihnachten ist der große Treffpunkt für alle, die Sehnsucht haben nach Frieden und die Hoffnung und Freude brauchen, die Krippe von Bethlehem.

Das Christuskind in der Krippe ist der Treffpunkt zwischen Gott und Mensch. Da ist der Punkt, an dem Gottes Liebe auf unseren Mangel trifft. Gott wählt die tiefste Stufe und wird Mensch um uns die höchste Stufe zu gewähren, als Gotteskinder bei ihm im Himmel zu sein.

Mit den Hirten und Weisen, den Nahen und Fernen wollen auch wir diesen Treffpunkt aufsuchen. Bei Jesus ist der Ausgangspunkt der Liebe und der Zielpunkt allen Heils. Wer im Anbeten vor der Krippe verwandelt und erfüllt wird, entdeckt, dass es nur eine Notwendigkeit des Lebens gibt: Gottes Kind zu werden, Gottes Kind zu bleiben. Die Anbetenden werden zu Zeugen, Empfängern und Überbringern des Heils.

Von allen Seiten kommen Menschen zur Krippe, um dort Trost, Hilfe und Freude zu finden. Einst kamen die Hirten aus der Nähe von Bethlehem und die Weisen aus der Ferne des Ostens. An der Krippe sind sie der Liebe Gottes begegnet.

Heute kommen wir zum Treffpunkt Krippe. Sie sind aus Ihren Zimmern, Wohnungen oder Häusern gekommen. Aus Ihrer Freude oder aus Ihrem Leid. Aus Ihrem Frieden oder aus einem Streit. Manche aus Lärm und hektischem Treiben, gerade noch so und gehetzt. Andere kommen aus der Stille ihrer Einsamkeit. Sie sind gekommen, um in dieser Christvesper die Krippe und Jesus zu suchen und mit ihm Erquickung für die Seele, Geborgenheit, tiefen Frieden und Freude.

Jede und jeder von uns hatte einen anderen Weg hierher und hat ein anderes Leben hinter sich. Jede und jeder von uns bringt andere Erinnerungen mit, hat andere Lasten, die er trägt und die ihn drücken. Vielleicht Sorgen, vielleicht eine große innere Leere oder eine tiefe Not, Schmerzen oder Schwäche, Angst vor dem was kommt oder davor, dass jemand geht, den er liebt.

Jesus wartet darauf, dass wir mit all dem zu ihm kommen und alles mitbringen und bei ihm abladen. In Marktredwitz ist in diesen Tagen eine fast 100 Meter lange Krippe aufgebaut, die sich mit 2014 Holzlatten durch die Geschichte des Christentums zieht. Von Bethlehem zu uns. Von damals bis heute. Will sagen, da ist viel Platz, da passt viel rein. Ja die Krippe mit Jesus zieht sich unsichtbar durch die Welt, durchs ganze Land, durch jeden Ort. Sie ist offen für alle. Der Sohn Gottes ist ihr einziger Inhalt. Schon die Krippe ist die Einladung, die Jesus später so ausgedrückt hat (Matth 11,28): „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“

Treffpunkt Krippe, Zielpunkt Jesus. Das ist zugleich Wendepunkt, Hoffnungspunkt, Lebenspunkt, Friedenspunkt, Versöhnungspunkt. Beim Blick auf das Kind Jesus, das Gottes Liebe ausstrahlt, muss aller Streit enden.

Versöhnen Sie sich! Lassen sie sich versöhnen von Jesus mit Ihren Nachbarn, Kindern, Eltern, mit Ihrem Mann oder Ihrer Frau, mit Ihrem Schicksal und mit Gott. Friede auf Erden verkündet der Engel. Friede auf Erden, Friede bei uns, Friede im Herzen.

Bläser

Ansprache II Das Licht der Hoffnung

Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel liegt über den Völkern, stellte einst der Prophet Jesaja (60,2) nüchtern fest, als er sah, wie die Menschen lebten und wie die Völker miteinander umgingen.

Aber er fuhr fort mit einem Aber, dass Licht in die Dunkelheit bringt: Aber über dir geht auf der Herr.

Wenn wir Gott in unser Leben einbeziehen, kann es nie ganz dunkel werden. Wenn wir auf Jesus sehen, sehen wir das Licht der Welt. Wenn wir ihm folgen, leben wir nicht auf ein Dunkel zu und auf ein Ende, sondern auf Licht und Leben.

Der Engel der Heiligen Nacht mit seiner guten Nachricht sagte den Menschen damals und sagt uns heute: Es gibt noch etwas anderes als diese Welt mit ihrer Nacht und Not, mit ihrer Angst und ihrem Streit. Er hält keine lange Rede, hält sich nicht mit Äußerlichkeiten auf. Er lässt sich weder ablenken, noch unterbrechen. Er fasst sich kurz:

Fürchtet euch nicht! Denn siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.

Ein Zeichen gibt er noch: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Das war’s auch schon. Keine Wiederholung, keine Drohung, sondern eine Einladung, ein Hinweis auf seine ganze Menschlichkeit und Niedrigkeit: In Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Ganz Mensch und ganz arm. Damit kein Mensch, sei er noch so arm und gering sich je von ihm zurückgewiesen fühlt.

Ihr werdet finden! Die Hirten haben das wörtlich genommen und sich auf den Weg gemacht. Und sie haben ihn gefunden. Das hat sie verändert. Sie sind froh dabei geworden und zufrieden. Es heißt von ihnen: Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.

Das ist bis heute so geblieben. Wer dem Engel der Weihnacht glaubt, wer den Zeichen folgt, wer Gott sucht, der findet ihn in Jesus. Und wer Jesus findet, der wird verändert von seiner Liebe. Der wird froh! Der hört das „Fürchtet euch nicht“ für sich ganz persönlich. An der Krippe bei Jesus dürfen wir alle Furcht, Sorge und Not ablegen. Da wird uns die große Freude verkündet, dass wir einen haben, der uns hilft und rettet. Es ist niemand hier, dem das nicht gilt. Allem Volk, sagt der Engel. Allem Volk gilt das, dass Gott sagt: Fürchtet euch nicht. Allem Volk gilt die große Freude. Da wird nicht unterschieden zwischen Frauen, Männern oder Kindern, nicht nach arm und reich, Intellekt oder Herkunft, Hautfarbe, Parteizugehörigkeit, Staatsangehörigkeit. Allem Volk soll die Freude widerfahren.

Der in Windeln in einer Krippe gefunden wird, muss kurz darauf fluchtartig das Land verlassen, wird zum Verfolgten, zum Flüchtling, zum jahrelang im Ausland geduldeten Asylanten. Jesus kommt von ganz unten. Darum versteht er die von ganz unten, liebt die von ganz unten und holt aus der Tiefe heraus. Wer Fremde aufnimmt, nimmt Jesus auf.

Er kennt die Ungerechtigkeit der Welt von Kind an und erträgt sie bis zu seinem Tod am Kreuz. Jesus will keinen übergehen und übersehen. Allem Volk gilt seine Einladung, seine Liebe und sein Angebot der Vergebung und Erneuerung.

Wollen Sie seine Einladung wirklich annehmen? Wollen sie seine Liebe wirklich in Ihr Herz lassen? Wollen Sie wirklich in seinem Licht leben? Dann kommen Sie wieder, nicht erst in einem Jahr. – Hören Sie auf seine Worte, nicht nur oberflächlich. – Fangen Sie an, mit Gott zu reden! Kehren Sie um, wie die Hirten es taten, in jener Nacht: Sie kehrten um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.“

Wer umkehrt von einem Alltag ohne Gott zu einem Alltag mit Gott, wird bald anfangen zu loben und zu preisen, weil ihm die Zeichen der Liebe Jesu und die Wunder Gottes immer größer und wichtiger werden. Sie und ich, wir sind zur Hoffnung und zur Freude bestimmt, nicht zur Verzweiflung und zur Traurigkeit. Jesus ist das Licht der Hoffnung, das uns den Weg hell macht und ans Ziel bringt. Jesus ist der einzige, der Weihnachten einen Sinn gibt und der auch ihrem und meinem Leben einen Sinn und ein Ziel gibt. Lassen Sie sich das nicht wieder nehmen von Weihnachtslärm und Festtagsbraten. Suchen sie ihn, finden Sie ihn und leben Sie mit ihm. Das führt zum Ziel. Amen

Kantor

Gebet, Vaterunser, Segen

Lied 46, 1-3 Stille Nacht, heilige Nacht

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168