Christenverfolgung heute

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Drittletzter So. d. KJ. 10.11.13 Gebetstag f. verf. Christen

Predigttext zum Auftakt der Friedensdekade Matth 5,1-12

Gnade sei mit Euch und Fieden, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Stilles Gebet.

Als Wort der Heiligen Schrift für die Predigt heute zu Beginn der Friedensdekade sind die Seligpreisungen aus der Bergpredigt vorgesehen, die auch Verheißungen für Christen enthalten, die unter Verfolgung und Benachteiligung leiden.

Matthäus 5, 1-12

Als Jesus das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf und lehrte sie:
Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.

Besonders die letzten Verse wenden sich an Christen, die es schwer haben und die ihren Glauben nicht frei leben können. In mehr als 70 Ländern dieser Erde haben Christen unter zunehmender Verfolgung zu leiden. Das Mindeste, was wir für sie tun können, ist, dass wir für sie beten und auf ihre Situation aufmerksam machen.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, etwas zu bewirken, durch Unterschriften unter Briefe und Petitionen, die an Botschaften und Politiker gesandt werden. Es kann uns nicht gleichgültig lassen, wenn wir erfahren, dass Kirchen angezündet, Gottesdienste gestört, unterbrochen oder verboten werden. Es ist nicht hinnehmbar, wenn Menschen, die friedlich ihren Glauben ausüben dafür benachteiligt, kriminalisiert, inhaftiert oder gar misshandelt und getötet werden.

Alle Christen, die in Freiheit ihren Glauben ausüben können, sind in der Verantwortung sich für die unterdrückten Glaubensgeschwister menschlich und geistlich mit aller Kraft einzusetzen. Zu anderen Zeiten haben das andere Christen auch für Verfolgte in unseren Ländern getan.

Verfolgung gehört durch zwei Jahrtausende zur Geschichte der Christenheit. Jesus selbst ist ja verleumdet, verfolgt, misshandelt und schließlich um des Glaubens und der Wahrheit willen, die er verkündigt hat gefoltert und getötet worden. Er hat nicht gehasst, nicht Vergeltung gepredigt, sondern dazu aufgefordert, das damit verbundene Leid zu tragen. Ja er hat allen, die Benachteiligung und Verfolgung aushalten müssen Seligkeit verheißen. Denen gehört einmal das Himmelreich ruft er den Menschen in seiner Bergpredigt zu. Denen hat er zu allen Zeiten Mut und Hoffnung gegeben und Kraft durchzuhalten.

Aus diesen Verheißungen schöpfen Verfolgte Kraft. Sie erfahren tatsächlich mitten in Bedrängnissen und bösen Angriffen den lebendigen Heiland Jesus Christus. Wie einst vom ersten christlichen Märtyrer Stephanus berichtet wurde: Als man das Todesurteil über ihn verhängte, sah er die Herrlichkeit Gottes und bezeugte das auch seinen Richtern mit den Worten: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Und als er kurze Zeit darauf unter dem Steinhagel seiner Verfolger zusammenbrach, vertraute er sich seinem Herrn mit den Worten an: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Und betete zuletzt für seine Mörder: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an. So kann nur beten und sterben, wer von starken Mächten gehalten ist.

Wir kennen Dietrich Bonhoeffers wunderbares Gedicht, das als Lied in unserem Gesangbuch steht, in dem er an seine Familie zum Jahreswechsel 1944/45 aus dem Gestapogefängnis schreibt, was er und andere Christen dort für Erfahrungen machen:

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar… Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns, am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Und das, obwohl sie von bösen, bedrohlichen, unberechenbaren Mächten und hasserfüllten Menschen umgeben waren. Mitten in der Finsternis erfahren Menschen im Glauben ganz konkret Gottes Macht und Frieden. Darum sagt Jesus hier: Selig sind… Äußerlich menschlich sind die Umstände furchtbar und menschenverachtend und innerlich kann der Herr Frieden schenken und Geborgenheit.

Wenn wir in unserer unverfolgten Situation die Berichte Verfolgter hören, dann soll uns das nicht Angst machen, sondern ermutigen. Es ist ein Zeugnis: So stark ist unser Herr! So viel Kraft kann er geben. So bezeugt er sich aktuell in unserer Welt.  Wir wollen zunächst einen kurzen Bericht über die Situation der Christen in Syrien sehen und hören:

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Manche flüchten und suchen irgendwo auf der Welt einen Ort, an dem sie als Christen sicher leben können. Andere bleiben. Beides ist ein Leiden in der Nachfolge. Alle die weggehen, verlassen ihre Heimat, ihre vertraute Umgebung. Sie lassen Wohnung und Besitz zurück und können oft nur Weniges mitnehmen. Es folgen Flucht oft unter Lebensgefahr, Zeiten in Lagern, eingeschränkt, auf engstem Raum. Das Wertvollste ist für die meisten ihre Bibel, in der sie täglich lesen und aus der sie Hoffnung schöpfen.

Vielleicht sind sie in einem Land, das sie aufnimmt nicht mehr direkt bedroht, aber sie sind Asylanten, mit sehr eingeschränkten Rechten, von vielen Bürgern ihres Zufluchtslandes nicht willkommen geheißen. Es vergehen oft Jahre, manchmal Jahrzehnte, bis sie anerkannt sind und wirklich auch frei leben können. Oder bis sich die Lebensumstände in ihrer Heimat so verändert haben, dass sie zurück können. Was nehmen diese Schwestern und Brüder auf sich um Jesu willen! Wir sollten ihnen, wo wir können herzlich und offen begegnen und ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen und beistehen.

Die sich fürs Bleiben entscheiden, leben in permanenter Bedrohung. Tag für Tag ist ihr Besitz, ihre Gesundheit und Unversehrtheit, ihr Leben gefährdet. Sie sind der Willkür anderer ausgeliefert ohne von Polizei oder Justiz Schutz erwarten zu können. Wir sitzen hier in unserer Kirche sicher und gehen nachher in eine rechtsstaatlich geschützte Umgebung hinaus. Niemand wird uns beschimpfen oder mit Steinen auf uns werfen, weil wir aus einer Kirche kommen.

Niemand reißt die Türen auf und wirft eine Bombe herein. Niemand sprengt unsere Versammlungen oder nimmt unsere Personalien auf, weil wir einen Gottesdienst besucht haben. Wir sind viel zu wenig dankbar dafür. Das alles ist in unserer Welt ja keineswegs mehr selbstverständlich. Auch in Südostasien haben es die Christen zunehmend schwerer. Ein kurzes Beispiel aus Vietnam möchte ich Ihnen noch zeigen:

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Trotz der schwierigen Lage war aus den Worten der jungen Frau (im in der Kreuzkirche gezeigten Film) keine Klage zu hören, sondern eher eine Freude, für Jesus Zeugnis ablegen zu dürfen. Auch das gehört zu der erfüllten Verheißung der Seligpreisungen: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.

Wir dürfen uns von diesen mutigen Zeugen anstecken lassen und ermutigen, selber das Evangelium zu bezeugen und trotz Widerspruchs unseren Mund aufzumachen. Die Tendenzen einer zunehmenden Feindlichkeit gegenüber dem christlichen Glauben sind auch in unserem Land zu spüren. Einzelne verbissene Atheisten wollen verhindern, dass in Schulen Kreuze hängen, dass in Klassenzimmern ein Morgengebet gesprochen wird.

Wer sich öffentlich gegen Abtreibung äußert stößt auf heftigen Widerstand. Christliche Feiertage, wie der Buß- und Bettag werden abgeschafft, Sonntage immer öfter zu Verkaufstagen erklärt, die Stillen Tage beschnitten.

Wer auf klare Aussagen der Heiligen Schrift zu Homosexualität hinweist, läuft Gefahr, wegen Diffamierung juristisch belangt zu werden. Die Medien haben die Rolle des mittelalterlichen Prangers übernommen und stellen Christen negativ dar, die ihren Glauben konsequent leben.

Lassen wir uns von alldem nicht abhalten unseren Glauben zu leben und offen zu bekennen. Dann gilt diese Verheißungen der Bergpredigt auch für uns: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.

Amen.

* Hinweis: da die Originalfilme nicht zu finden waren habe ich ähnliche Filme eingebaut. (Markus Barnick)