Brot
Zur PDF7. Sonntag nach Trinitatis, 04.08.19, Johannes 6, 30-35
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: …
Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.
Vom Brot des Lebens hören wir im 6. Kapitel des Johannesevangeliums in den Versen 30-35. Die Menschen, die kurz vorher das Wunder der Brotvermehrung miterlebt hatten, – wir haben davon vorhin in der Lesung des Evangeliums gehört.- suchten Jesus am nächsten Tag und fragten ihn:
„Wenn wir an dich glauben sollen musst du schon durch eine Wundertat beweisen, dass du im Auftrag Gottes handelst. Zeige uns, was du kannst! Gib uns jeden Tag zu essen, so wie unsere Väter damals in der Wüste Manna, das Brot vom Himmel, aßen. Es heißt doch in der Heiligen Schrift: „Er gab ihnen Brot vom Himmel.“
Hierzu sagte ihnen Jesus: „Mose gab euch nicht das Brot, von dem ich gesprochen habe. Das wahre Brot vom Himmel gibt euch mein Vater jetzt. Und nur dieses Brot, das vom Himmel kommt, schenkt der Welt das Leben.“ „Herr, gib uns jeden Tag dieses Brot!“ baten ihn alle.
„Ich bin das Brot des Lebens“, sagte Jesus zu ihnen. „Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“
I. Brot zum Leben
Ich hab heut drei Gegenstände mit auf die Kanzel gebracht. Ein Brot, eine Hostie und eine Bibel. – Was haben diese drei Dinge gemeinsam? – Sie sind ein Geschenk Gottes und sie sind absolut lebensnotwendig. Brot ist seit Jahrtausenden Lebensgrundlage in den meisten Kulturen. Basis der Ernährung. Es kann aus verschiedenen Grundstoffen sein. Roggen, Weizen, Dinkel oder andere Getreidearten und Mischungen mit verschiedensten Gewürzen und Zutaten. Frau Bogatscher hat immer vom Siebenbürger Kartoffelbrot geschwärmt, in dessen Teig gekochte Kartoffeln gemischt wurden. Vom Weißbrot bis zum Pumpernickel, vom Krustenbrot bis zum Knäckebrot, vom Toastbrot bis zum Vollkornbrot gibt es unzählige Sorten. Der Phantasie der Bäcker sind keine Grenzen gesetzt.
Brot ist Leben. Und am besten schmeckt Brot, wenn man richtig Hunger hat. Da kann das Brot schon hart sein, Tage oder sogar Wochen alt, wenn man wirklich hungrig ist, wird man es trotzdem mit Genuss Bissen für Bissen verzehren. Auf einer Wanderung nach vielen Stunden, wenn man alles andere schon aufgegessen hat und wenn die Hütte, mit der man gerechnet hatte geschlossen ist. Wenn sich dann in den Tiefen des Rucksackes wenigstens noch ein Stück Brot findet, wird man es begierig verzehren und es wird einem wieder Kraft geben.
Genug Brot zu haben und sich satt essen zu können ist keineswegs überall auf der Welt selbstverständlich. Laut Welternährungsprogramm der vereinten Nationen leiden rund 821 Millionen Menschen weltweit an Hunger, also etwa jeder Neunte. Und 98% der Hungernden leben in Entwicklungsländern. Die Aktion „Brot für die Welt“, an der wir uns jedes Jahr vom ersten Advent bis zum Jahreswechsel beteiligen ist keineswegs überflüssig geworden im 21. Jahrhundert. Es wäre genug für alle da, aber wir kriegen es nicht hin das zu organisieren.
Bei uns, in unserem Überfluss, in unserer satten Gesellschaft mit zahllosen raffinierten Speisen, extravaganten Gerichte und Zubereitungen hat Brot an Bedeutung verloren. Tonnenweise wird es weggeworfen, weil es schon zwei Tage alt ist oder einem nicht schmeckt. Viele schätzen bei uns den Wert eines Brotes nicht mehr. Ich erinnere mich an meine Kindheit, wo es hieß: Brot wirft man nicht weg. Das ist eine Sünde. War es für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet, hat man es wenigstens an Tiere verfüttert.
Jesus hat das Brot für wert erachtet, es in sein großes Gebet, das Vaterunser hineinzunehmen: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ Wir sollten diese Vaterunserbitte wieder viel bewusster beten. Es kann sich keiner vorstellen und es rechnet niemand damit, aber es bräuchte bloß noch zwei drei so extrem trockene und heiße Sommer nacheinander und Brot würde knapp werden und teuer, auch bei uns. Die Älteren unter uns können sich noch erinnern an Zeiten als das Brot rationiert war und es nur eine bestimmte Menge gab pro Person und Tag und musste auch dafür noch lange anstehen.
II. Brot des Abendmahls
Brot ist lebensnotwendig. Trotzdem schätzen es viele nicht genug oder überhaupt nicht. Auch die Hostie des Abendmahls, der Leib Christi, ist lebensnotwendig. Ja eigentlich noch wichtiger als das gebackene Brot. Denn ohne dieses Brot gibt es kein ewiges Leben. Jesus sagt: Das ist mein Leib, für dich gegeben!
Die Leute damals hatten das Zeichen der Brotvermehrung nicht verstanden, das Jesus ihnen gegeben hatte. Sie dachten: Hauptsache der Bauch ist voll! Jesus hatte mit ganz wenig Brot und ein paar Fischlein ein paartausend Leute satt gemacht. Hungrige Leute. Frauen, Männer und Kinder, die den Wert eines Brotes noch zu schätzen wussten. Die bei weitem nicht jeden Tag das wohlige Gefühl eines satten Bauches hatten. Vielleicht verständlich, dass die damals zuerst an das leibliche Wohl dachten und gar nicht ahnten, dass Brot noch viel mehr sein kann.
Aber Jesus will ihnen noch viel mehr geben. Er will auch uns viel mehr geben, als Wohlstand, satt zu Essen und zu Trinken. Mehr als bunte Buffets, die keinen kulinarischen Wunsch offen lassen. Jesus will die Seele satt machen, das Herz zufrieden, dem Gewissen Frieden schenken. Frieden mit Gott. Womit? Damit (Hostie) „Das ist mein Leib, für dich gegeben! Zur Vergebung deiner Sünden. Ja, Vergebung macht die Seele satt. Schenkt mehr Freude als die Weihnachtsgans und der Festtagsbraten. Danach hat man meist so ein Druckgefühl und das liegt schwer im Magen. Vergebung aber nimmt den Druck und erleichtert das Gewissen. – Warum laufen nur so viele Menschen jahrelang mit einem beladenen Gewissen herum? Leben mit dem Druck alter Sünden.
Warum schätzen die meisten Christen das Abendmahl nicht mehr? Weil sie das Zeichen, das Jesus damit gesetzt hat, nicht verstanden haben. Sie denken es geht nur um den Bauch. Nur um genießen, konsumieren, erleben. Immer ausgefallener sollen die Reisen und die Speisen sein. Immer aufwändiger der Lebensstil. Dabei genügt doch diese kleine unscheinbare Hostie im Glauben genommen als Christi Leib für Dich, um die tiefste Freude, das größte Glück, die höchste Zufriedenheit zu bekommen, die möglich ist.
Wenn ich begreife, was Gott durch Jesus in dieses kleine Stückchen ungesäuertes Brot hineingelegt hat, dann werde ich es mit Ehrfurcht ansehen, mit Dank annehmen, zu meinem Heil verzehren und immer wieder begehren. Brot des Lebens! Dir und mir immer wieder angeboten. Das bin ich, sagt Jesus, der Sohn Gottes. Ich gebe mich für Dich! Ich gebe mich Dir!
Und das macht was mit Dir. Das verändert Dich, wenn du es im Glauben nimmst. Wenn Du nach dem Sinn fragst und das Zeichen verstehst. Es ist das Zeichen der Wertschätzung. Wenn mir jemand das Beste gibt, was er hat. Verliebte machen das ja manchmal, dass sie beste Stücke, die sie vielleicht auf dem Teller haben, dem geliebten Menschen schenken.
Auch Gott hat es aus Liebe getan. Sein Bestes gegeben. Um uns zu zeigen: So viel bist du mir wert. Es ist furchtbar für den Liebenden, wenn das Gegenüber seiner Liebe die Gabe geringschätzt oder gar ablehnt.
Wie vielen Christen bedeutet das Heilige Abendmahl nichts mehr! Manchmal merke ich bei Jubiläumskonfirmationen oder bei Konfirmationen beim Austeilen der Abendmahlsgaben, dass die Empfangenden eine gewisse Unbeholfenheit haben im Umgang mit Brot und Wein. Verständlich, weil es 5 oder 10 oder noch mehr Jahre her ist, dass sie das letzte Mal vor dem Altar bei einer Abendmahlsfeier waren. Die Hostie ist ihnen fremd, die Worte unbekannt. Sie verbinden nichts mehr damit. Sie denken nicht an den, der sein Leben für sie gegeben hat und essen und trinken nicht mit dem Gedächtnis an die Tat Jesu am Kreuz, sondern gedankenlos, sich so selber zum Gericht, wovor der Apostel Paulus warnt (1.Kor 11,29).
Dabei ist das H. Abendmahl doch das wirksamste Lebenselixier, das es gibt. Es verleiht nicht nur Leben bis zu einem armseligen Tod in Schwachheit, sondern schafft Leben in Fülle, Vollendung und Geborgenheit als Kind Gottes. Nicht nur für einige Jahre, sondern ewig weil Jesus Brot des Lebens ist. Wer ihm glaubt, der wird leben! Und wer zu ihm kommt, dem werden der Lebenshunger und Lebensdurst gestillt.
III. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Und der dritte lebensnotwendige Gegenstand, den ich heute sichtbar hier mit auf die Kanzel gebracht habe, ist die Bibel. Warum? Weil sie beides zusammenbringt: Das Brot und das Leben. Sie bringt satt und heil zusammen. Aber sie weiß auch zu unterscheiden zwischen dem Bauch, der Nahrung braucht um den Leib zu versorgen und der Seele, die Nahrung braucht um erfüllt und sinnvoll nach Gottes Plan zu leben.
In unserem Predigtabschnitt wird verwiesen auf eine alte Geschichte aus dem 2. Mosebuch (Kap 16, 2-3. 11-18). Als die Israeliten auf ihrem langen Weg durch die Wüste hungerten und Nahrung brauchten. Gott sorgte dafür, dass sie etwas zu Essen bekamen. Jeden Tag konnten sie rund ums Lager Manna sammeln. Immer genug für einen Tag.
Jesus macht klar: Das war für den Bauch. Barmherzige und wohlschmeckende Gabe gegen den Hunger, um den Körper bei Kräften zu halten. Das Brot, von dem er spricht ist mehr. Es macht anders satt. Zufrieden, gibt Frieden. Es heilt Verletzungen, rüstet aus mit innerer Kraft, schenkt Hoffnung. Es verweist auf das Ziel des Lebens, das Reich Gottes, in dem Jesus mit den seinen wieder Gemeinschaft haben und das Abendmahl feiern wird.
Davon erzählen die Geschichten der Bibel und die Worte und Weisheiten Gottes, die wir darin finden. Zum Beispiel die Geschichte von der Versuchung des Herrn Jesus durch den Teufel. Nach 40-tägigem Fasten fordert der Teufel den Sohn Gottes auf, doch seine Macht zu nützen und aus den Steinen im Wüstensand Brot zu machen. Aber Jesus erliegt der Versuchung nicht, sondern antwortet im Geist Gottes (Matth 4, 4): Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.
Und diese Worte aus dem Mund Gottes finden sich eben nur in seinem Buch, in der Bibel. Manchmal versteckt in ganz menschlichen Geschichten. Andere ganz pointiert und hervorgehoben in den Reden der Propheten (Jer 22, 29): „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ Beim Propheten Jeremia. Ein Wort, das man auch unserem Land zurufen möchte, das sich in eine Gottlosigkeit hineingelebt hat, wie lange nicht mehr. Vergessen die Erkenntnisse der Reformation, die Ernsthaftigkeit des Pietismus. Verloren gegangen die Wirkungen der Erweckungsbewegung. Auch in der Kirche in weiten Teilen keine Klarheit mehr, keine Buße, keine Umkehr. „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“
In der Theologie ist die Bibel der menschlichen Vernunft untergeordnet, obwohl sie doch weit über ihr steht. In den meisten Medien spielt Wort, das aus dem Mund Gottes geht, keine Rolle. Das Wort zum Sonntag ist in den seltensten Fällen ein vollmächtiges Wort Gottes. Lassen wir uns doch diesen Schatz, diesen Reichtum, diesen Segen nur nicht nehmen, der uns in der Bibel geboten wird. Es ist Kraft und Hoffnung. Die die Welt ohne Bibel nicht kennt. Das ist doppelter Boden, der trägt. Fels, der das Lebenshaus auch im Sturm nicht wanken und einstürzen lässt. Mit dem Wort Gottes, kann man über Mauern springen, in schwierige Operationen und Verhandlungen gehen, nach Niederlagen neu beginnen. Dieses Wort schenkt Vergebung und gibt Kraft zu vergeben. Manches Kind Gottes hält sich ein Leben lang an einem Tauf- oder Konfirmationsspruch fest, eine Ehe lang am Trauspruch. Bewältigt ein enormes Arbeitspensum aus der Kraft, der täglichen Bibellese und Gebetszeit.
Es liegt an Dir und an mir, an jedem einzelnen, was wir mit diesen drei kostbaren Gaben Gottes an uns machen: Mit dem Brot, mit der Hostie und mit dem Wort Gottes in der Bibel. Gott stellt es uns immer neu zur Verfügung. Anwenden, gebrauchen müssen wir es selbst. Alle Kräfte, die Gott in die Schöpfung hineingegeben hat, sind geballt vorhanden im Brot und den anderen Lebensmitteln, die uns Verfügung gestellt sind. Aber im Brot und Wein des Abendmahls, zu dem wir immer neu eingeladen sind, liegen die Gaben des Geistes. Und über deren Gebrauch und den Willen Gottes dürfen wir uns täglich durch die Bibel unterweisen lassen. Machen wir dankbar bewusst und im Glauben Gebrauch davon.
In einem alten Tischgebet – vielleicht kennen es manche unter uns noch – heißt es im Blick auf Jesus: „…bist du bei uns so hat’s nie Not. Du bist das wahre Lebensbrot.“
Herr, hab‘ Dank für deine Gaben. Hilf uns, sie wieder ganz neu anzunehmen, wertzuschätzen und zu gebrauchen, uns zum Segen.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168