Bleib dran am Gebet!

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Predigt Kreuzkirche am 19.11.2023 über Predigt Lk. 18, 1-8

Liebe Gemeinde,

wir haben uns in den letzten Wochen viel mit dem Gebet beschäftigt. Sehr ausführlich auf unser Konfirmandenfreizeit am Brombachsee Mitte September aber auch in den letzten Wochen an den Mittwochnachmittagen. Dabei ist uns wichtig geworden, welche große Möglichkeit wir mit dem Gebet haben. Aber auch, wie wir uns mit dem Gebet manchmal schwer tun. Folgende kurze Geschichte kann das deutlich machen:

in Surinam haben sich Christen einen Gebetsplatz im Wald gesucht, weil ihre Hütten nur aus einem einzigen Raum bestehen und sie so kaum Ruhe haben. Dort gehen sie täglich hin, um dort in der Stille allein mit Gott zu reden. Die Gebetswege aus den verschiedenen Hütten zu diesem Platz sind mit der Zeit wie ausgetretene kleine Pfade.

Eines Tages sagt ein Eingeborener zu seinem Nachbarn ganz liebevoll: „Du auf deinem Gebetsweg wächst langsam das Gras!“ Ein vorsichtiger und fürsorglicher Hinweis darauf, dass der gute Nachbar wohl in der Gefahr besteht, das Gebet etwas zu vernachlässigen.

Und auch uns fällt das Beten ja nicht immer leicht. Wir haben uns auf der Konfirmandenfreizeit unter anderem zwei Fragen gestellt: Ich bete weil… und Das Beten fällt mir manchmal schwer…. Dazu drei Statements, nicht von den Vorlesern jetzt, sondern aus der Gruppe allgemein.

Statements vorlesen von drei Konfis

Vielfältige Gründe, warum uns das Beten manchmal schwer fällt. Aber auch klare persönliche Bekenntnisse zum Beten. Vielleicht haben Sie sich in manchem wiedergefunden. Ja, unser Beten ist immer wieder angefochten. Wir wissen und glauben an die großen Möglichkeiten des Gebets. Aber wir erleben auch, dass Gebete nicht erhört werden oder jedenfalls nicht so, wie wir es uns wünschen. Dabei macht uns Jesus ganz viel Mut zum Beten. Er redet mit seinen Jüngern viel über das Gebet und er betet selbst auch viel zu seinem Vater. Wie Kinder mit ihren Eltern reden und ihnen Freude und Leid anvertrauen, so dürfen wir mit Gott im Gebet unser Leben teilen. Dabei geht es nicht nur um Gebetserhörung. Nein, es geht auch darum, dass wir überhaupt mit dem lebendigen Gott reden können. Dass er uns hört und wir in Kontakt mit ihm sein können. Und glaubt es mir, es ist kein Anliegen ihm zu klein oder zu groß. Er kümmert sich um deine Anliegen. Er weiß, was Du brauchst. Und wo es in seinen Augen gut ist, da beschenkt er dich auch reichlich. Manchmal ganz unerwartet, wie es folgende humorvolle Geschichte deutlich macht, die wirklich geschehen sein soll:

Ein Pfarrer hatte eine kleine Katze. Damit ihr nichts passiert, während er unterwegs ist, hielt er sie immer im Haus. Doch eines Tages passierte es: Der Pfarrer hatte ein Fenster offen gelassen – und die Katze war weg! Verzweifelt suchte er sie überall – und fand sie im Garten. Sie saß auf einem jungen Baum, auf den sie zwar hinaufgekommen war, aber nun nicht mehr herunterkam. Da kam dem Pfarrer eine Idee, wie er die Katze retten könnte: Er ging in die Garage, fuhr seinen alten VW-Käfer rückwärts in den Garten hin zu dem Baum, nahm ein dickes Seil, band es so weit oben am Baum fest als möglich, band das andere Ende an der Stoßstange seines Wagens fest und begann dann langsam damit, nach vorne zu fahren.

Langsam bog sich der Baum zur Erde. Fast war es schon soweit, dass die Katze hätte runterspringen können – da passierte es: Peng – das Seil riss, der Baum schnellte zurück und die Katze flog – zisch! – in den Himmel. Der Pfarrer war am Boden zerstört. Seine geliebte Katze!

Am nächsten Tag, immer noch ganz geknickt, ging der Pfarrer zum Einkaufen. In Gedanken schlich er durch die Regalreihen, als er aus dem Augenwinkel Frau Maier wahrnahm, ein treues Gemeindeglied. Der Pfarrer stutzte: Stand sie nicht am Hunde- und Katzenfutterregal? Aber Frau Maier hatte doch gar kein Haustier! Etwas verunsichert sprach er Frau Maier an: „Ja, Frau Maier, haben sie jetzt ein Haustier?“ „Herr Pfarrer, sie werden nicht glauben, was uns gestern passiert ist! Ich saß mit meiner kleinen Tochter im Garten. Sie sagte immer wieder: ´Mama, ich hätte so gerne eine Katze!´ Ich habe ihr dann erklärt, warum das nicht geht. Da hat sie gesagt: ´Dann bitte ich halt den lieben Gott, dass er mir eine Katze schenkt!´ Dann hat sie die Hände gefaltet, gebetet – und, Herr Pfarrer, sie werden nicht glauben, was dann passiert ist! Dann kam eine kleine Katze aus dem Himmel geflogen und landete direkt vor uns auf dem Rasen! Herr Pfarrer, sie glauben ja gar nicht, wie das unser Gebetsleben revolutioniert hat!“

Ja, erfahrene Hilfen Gottes geben uns Mut zum Beten. Da fällt es dann wieder leicht zu glauben. Aber nicht immer greift Gott unmittelbar ein. Manchmal erscheint uns Gott unverständlich und hart. Auch wenn er es sicher nicht ist, aber er erscheint uns so. Aber wenn auf unsere Gebete einfach nichts geschieht, dann kann es sein, dass wir auch im Glauben ins Wanken kommen. Dann kann es sein, dass uns Gott wie ein unerbittlicher Richter erscheint.

Es gibt in der Bibel eine Geschichte über das Gebet, wo Jesus selbst Gott mit so einem unerbittlichen Richter vergleicht. Mit dieser Geschichte hat sich einer unserer Konfirmanden- Johannes Mauerer auseinandergesetzt. Er hat dazu eine Kurzpredigt geschrieben. Und er hat den Mut, diese Kurzpredigt heute hier zu halten. Das finde ich absolut bemerkenswert! Und so lade ich dich ein, lieber Johannes, hier mal nach oben zu kommen und deine Kurzpredigt zu Lk. 18,1-8 zu halten.

Predigt von Johannes Mauerer

Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit beten und nicht nachlassen sollte,

2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.

3 Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam immer wieder zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher!

4 Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,

5 will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.

6 Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt!

7 Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten?

8 Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden?

Liebe Gemeinde, eigenartig, dieses Gebetsgleichnis. Lukas stellt gleich am Anfang der Geschichte klar, woraus es Jesus ankommt: Wie wichtig es ist, unermüdlich zu beten und dabei nicht aufzugeben.

Dieses Gleichnis erzählt von einem Richter, dem Gott und die Menschen gleichgültig waren. Und es berichtet von einer Witwe, die in ihrer Not den Richter Tag für Tag bestürmte. Er solle ihr zu ihrem Recht verhelfen. Lange Zeit stieß sie bei ihm auf taube Ohren. Die Tatsache, dass sie ungerecht behandelt wurde, war ihm völlig egal. Er dachte für sich: „Es bringt mir nichts, ihr zu helfen! Sie hat kein Geld und ist eine unbedeutende Frau!“

Als sie wieder einmal zu ihm kam, wurde es dem Richter zu viel. Er sprach zu sich: „ich muss ihr zu ihren Rechten verhelfen, sonst wird sie am Ende noch handgreiflich!“ Ihre Aufdringlichkeit und ihre Sturheit bewirkten, dass sich der Richter umstimmen ließ.

Jesus erklärte den Jüngern das Gleichnis vom ungerechten Richter so: der untätige und unwillige Richter hat der notleidenden Frau geholfen, weil sie immer und immer wieder zu ihm kam.

Jesus fragte seine Jünger dann: Wenn er schon so handelt, wieviel mehr wird Gott seinen Auserwählten zum Recht verhelfen, die ihn Tag und Nacht darum bitten!

Anders als der Richter ist unser Gott barmherzig. Wir Menschen sind Gott nicht gleichgültig. Er hat uns lieb und will uns nicht leiden sehen!

Wenn also schon so ein fauler Richter hilft, dann doch erst recht Gott!

Gott handelt aber nach seinem Willen und seiner Zeit, ob es kurz oder lang dauert.

Jesus setzt aber voraus, dass wir Tag und Nacht im Gebet bleiben. Also liebe Gemeinde, machen wir es doch wie die Witwe! Gott erhört Gebet. Amen.

Verfasser: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: Friedemann.wenzke@elkb.de

Und Johannes Mauerer