Aus einer Geschichte zum Davonlaufen wird etwas Wunderbares: Jesus ist gekommen.
Zur PDF1. Weihnachtsfeiertag 25.12.2014, Kreuzkirche – Matthäus 1, 18 ff
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Liebe Kreuzkirchengemeinde!
Wer zu uns nach Obernsees fährt, kommt in der Regel von vorne ins Dorf. Es geht vorher an der Rupertkapelle vorbei, dann von der Staatsstraße rechts abbiegen usw.
Von hinten aber, von Busbach her, sieht Obernsees ganz anders aus.
Wenn wir die Weihnachtsgeschichte hören, dann hören wir sie meistens aus der Sicht der Hirten. Wir lauschen der Botschaft der Engel: “Fürchtet euch nicht. Euch ist heute der Heiland geboren.” Wir kriegen gesagt: “Das gilt auch dir. Für dich ist der Heiland geboren. Für dich!” Dann machen wir uns mit ihnen auf zum Stall und zum Kind. Unter Umständen wird noch angefügt: „Mach’s nicht wie der Wirt, der Maria und Josef und den Heiland nicht reinlässt, abweist.“
Wir wollen uns heute mal, sozusagen von hinten her, von einer anderen Seite nach Bethlehem aufmachen: aus der Sicht des Josef.
Matthäus 1, 18 – 25 (nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“)
Und so wurde Jesus Christus geboren: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Noch vor der Ehe erwartete Maria – durch den Heiligen Geist – ein Kind. Josef wollte nach Gottes Geboten handeln, aber auch Maria nicht öffentlich bloßstellen. So überlegte er, die Verlobung stillschweigend aufzulösen. Noch während er nachdachte, erschien ihm im Traum ein Engel Gottes und sagte: „Josef, du Nachkomme Davids, zögere nicht, Maria zu heiraten! Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn bekommen, den sollst du Jesus nennen. Denn er wird die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien.“
Dies alles geschah, damit sich erfüllte, was der Herr durch seinen Propheten vorhergesagt hatte: „Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Den wird man Immanuel nennen.“ Das bedeutet: „Gott ist mit uns!“
Als Josef erwachte, tat er, was ihm der Engel befohlen hatte, und heiratete Maria. Er schlief aber nicht mit ihr bis zur Geburt ihres Sohnes. Josef gab ihm den Namen Jesus.
Liebe Gemeinde!
Die Bibel ist doch ein lebendiges Buch. Wenn nur Begriffe in meinem Hirn entstehen, die ich versuche zu verstehen, dann wird mir auf Dauer nur der Kopf brummen. Nein, wir können in das Geschehen eintauchen, ziehen mit Josef mit, fühlen mit ihm, hören mit ihm, entscheiden mit ihm.
Da taucht ganz schnell etwas vor unseren Augen auf. Mir sind 5 Dinge aufgefallen.
1. Weihnachten kann zum Davonlaufen sein.
Über Josef brach die Geschichte als große Katastrophe schier über Nacht herein. Der liebste Mensch der Welt, seine Maria, ist schwanger. Auch die Menschen damals waren nicht blöd, sie wussten wie Kinder entstehen. „Meine Maria, wo ich mir so sicher war, dass sie mich lieb hat, dass es die Richtige ist für mich, die Frau meines Lebens, meine Zukunft, die hat einen anderen.“ Das hat ihn schier das Herz zerrissen. So wie es uns ja auch manchmal schier das Herz zerreißt, wenn eine persönliche Katastrophe, so was kündigt sich oft nicht an, über uns hereinbricht. Der Josef konnte nur davonlaufen. Er wusste wohl nicht wohin, er wusste nicht wie, einfach nur weg.
Ja, er hätte Sturm schlagen können, sich aufregen, Maria verklagen. Das war ein Frevel: Jemandem die Treue versprechen und nicht halten. Mancher ist dafür gesteinigt worden. Aber Josef hatte Maria immer noch viel zu lieb, dass er auch nur ein böses Wort gesagt hat. Ich denke, er hat sogar gebetet: „Herr, lass sie glücklich werden mit dem anderen Mann!“
Auch unter uns gibt’s welche, die sagen werden: „Weihnachten (oder zumindest ein Teil davon) ist für mich zum Davonlaufen.“ Das ist nicht nur das: “Ich kann die Fresserei nicht mehr ausstehen“ oder den Geschenkestress; “Bei uns gibt es jedes Jahr Streit.”; für manche ist auch die Kirche zum Davonlaufen; oder “Wir sitzen stundenlang zusammen, es ist so langweilig. Immer das Gleiche” … So manchem tut es besonders weh, weil er an Weihnachten einen lieben Menschen noch viel mehr vermisst als sonst.
Ich sah vor ein paar Tagen eine Dokumentation über Stalingrad 1942. Über 200.000 deutsche Soldaten eingekesselt von den Russen. Am Firmament war schon zu sehen, die deutsche Panzerarmee, die sie rausschlagen soll. Aber am 23. Dezember kam die Nachricht: „Gescheitert“. Es wurde zu einem Weihnachtsfest der Hoffnungslosigkeit für viele. Und einer der wenigen Überlebenden sagte in der Dokumentation: “Seitdem kann ich nicht mehr Weihnachten feiern.”
Weihnachtenkann aber auch zum Davonlaufen sein, gerade wenn ich da besonders sehe in dem Frieden, der von diesem Fest ausgeht, der großen Freude, die Gott uns macht, wenn ich da mich selber bemerke: lieblos und hart, hin- und hergetrieben, kaputt, vielleicht irgendwo festgefahren, enttäuscht, ja schuldig vor Gott und vor Menschen. Weihnachten kann gewaltig zum Davonlaufen sein.
Darum 2. braucht Weihnachten einen Engel, einen Gottesboten.
Einen, der sagt, was man nicht sieht.
„Hallo Josef“, sagt er. – Es ist auch wunderbar, dass er nicht einfach nur „Du“ sagt, 100%-prozentig war klar: „Ich bin gemeint.“ Es ist kein Irrtum, keine verrückte Idee. – „Hallo Josef, du bist hier nicht im falschen Film. Du bist hier schon richtig. Das mit dem Kind geht schon in Ordnung. Da steckt Gott dahinter.“
Es ist ja manchmal sehr notwendig, dass wir davonlaufen aus einer Lebenssituation, etwas beenden, was Gott nicht will. Eine Freundschaft, die mich oder den anderen kaputt macht, vielleicht auch meinen Fernseh- und Internetkonsum, der mein Herz versaut und meine Zeit verplempert.
Aber wenn es etwas ist, was Gott einmal gesegnet hat, vielleicht dein Beruf, deine Ehe, auch deine Gaben oder eine Aufgabe, wo du möglicherweise denkst: „Ach, das wird doch eh nichts mehr.“ Ja, sogar manch Schweres, da tut es gut, wenn du heute hörst: „Du, Josef!“, jeder darf da seinen Namen einsetzen, da lässt Gott dir durch seine Boten ausrichten: „Du bist da schon richtig. Ich steh doch dahinter, ja noch vielmehr, ich steh hinter dir!“
Ein kleines Detail noch dazu. Der Engel sagt: „Josef, du Nachkomme Davids.“ Er verstand das: „Josef, du Erbe der Gnaden, der Verheißungen, der Versprechen, die dem David gegeben wurde.“ Und für uns: Du, der du hier sitzt, du Erbe der Versprechen, die Gott dir mal gegeben hat. Sie gelten noch. Du bist noch in Gnaden.
3. Weihnachten braucht einen Namen
Nicht x-mas, nicht Fest der Geschenke und Truthähne, ja nicht einmal Weihnachten. Obwohl das ein schöner Name ist: eine geweihte, eine von Gott gesegnete Nacht.
„Das Kind sollst du Jesus nennen.“ Das ist der wahre Name von Weihnachten: „Jeshua“, im alten Hebräisch: „Joshua.“: Jahwe hilft. Der Herr hilft.
„Josef, Weihachten läuft gerade anders ab, als gedacht, aber es hat einen Namen: Jesus.“ Weihnachten 2014 heißt: „Jesus. Der Herr hilft.“
Kann sein, der Josef hat noch eine Zeitlang gedacht: Ich bin irgendwie trotzdem im falschen Film. Vielleicht tut es bei dir immer noch weh. Vielleicht ist es trotz aller Gottesworte kein gelungenes Fest. Vielleicht stehst du dir immer noch im Weg. Vielleicht ist dein Herz immer noch geplagt von Finsternis und Sünden oder sonst was, was da nicht reingehört. Aber du kannst hier nicht rausgehen, ohne jetzt zu wissen: „Weihnachten 2014 hat auch für mich den Namen: Jesus, der Herr hilft.“
Jetzt setzt der Bote Gottes noch einen drauf. Gib ihm den Namen Jesus.
4. Denn er wird die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien.
Die meisten von uns haben das schon oft gehört. Vielleicht so oft, dass es dich inzwischen nicht mehr großartig bewegt. Es sei denn, Gott hat dein Gewissen scharf halten können oder du hast gerade wieder was angestellt. Dann ist das ein wunderbarer Weihnachtsname: Der Herr hilft mir und vergibt. Das darfst du sagen, nicht erst wenn du mit deiner Buße zum Ende gekommen bist, sondern schon, wenn du mit deiner Buße anfängst. Buße heißt ja Umkehr, zu Jesus sich hinwenden: „Herr, ich komme zur dir, so war ich, so bin ich, vor dir nicht in Ordnung, es tobt noch in mir, vergib mir!“ Und da kriegst heute mit, von einem Boten Gottes gesagt: „Jesus. Der Herr hilft dir und vergibt dir!“ Und du darfst sagen: „Jesus ist mit mir. Der Herr hilft mir und vergibt mir.“
Aber was hier uns von dem Engel vor Augen gemalt wird, ist noch viel mehr, geht viel tiefer. Er will uns befreien von den Sünden, nicht bloß vergeben. Das ist die Lösung, das ist die Hilfe für die größte Not, die es für einen Christenmenschen überhaupt gibt. Wer angefangen hat, nicht bloß frommes Zeugs zu machen oder in einer frommen Gruppe mitzumachen, wer angefangen hat, Jesus lieb zu habe, zu schätzen. Der gerät immer mehr ins Leiden: „Ich will doch bei meinem Heiland bleiben mit meinen Gedanken, meinen Gebeten, meinem Sinn, den ganzen Tag, jeden Augenblick. Aber ich, ich sondere mich ständig ab (das ist der Kern von Sünde: Absondern), vergess zu beten, zu danken, ihm Hilfe zuzutrauen, rutsch in die Verzagtheit oder Draufgängertum, setzt meinen Dickschädel durch, verstrick mich, reg mich auf, bin empfindlich und und und. Tausend Gedanken, von außen, aus mir raus, wollen mich trennen und bringen mich ab von deiner Liebe, Herr Jesu, von deiner Stärke, von deinem Weg.“
Und da hören wir vom Himmel her: Er soll Jesus genannt werden. Denn er wird die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien. Befreien, dass wir ganz klar sehen und dann beten und sagen: „Du, Herr Jesus, willst mich frei machen, von allen allem, was mich von dir trennt. Du willst mein Wesen, meinen Sinn, so prägen, verändern, reinigen, erneuern, dass ich bei dir bleiben kann.“
Und darum Punkt 5
5. Dem Kind muss ein Name gegeben werden.
Josef sagt dann im Stall: “Er soll Jesus heißen!” Und das können wir uns nicht feierlich genug vorstellen, als der Vater, der, dem das Kind von Gott anvertraut wird, vor die Krippe tritt und verkündet: „Er soll Jesus heißen.“
Und das heißt: Wir dürfen allem, was Gott uns vor die Nase legt, den Dingen und unseren Angelegenheiten den besten Namen geben, den es gibt: den Namen Jesu. Allen Sorgen, allen Ängsten, allen unseren Verkehrtheiten. Sogar dem größten Schmerz, der größten Not: Du sollst jetzt einen anderen Namen bekommen: Jesus!
Ich will es mal bildhaft sagen: Schreib doch mal deine 5 größten Sorgen und Ängste auf einen großen Zettel und dann häng mit einer Büroklammer oder mit einem Tacker einen Zettel mit dem Namen Jesus dran.
Vieles ist deshalb so groß, weil es so schier namenlos los ist, wir nicht fassen können, wo die Sorge anfängt und aufhört und was sie noch alles mit sich bringt. Wie die Angst zu greifen ist. Der Schmerz, wenn er schon nicht zu ändern ist oder vielleicht doch, aber wie er wenigstens einen Platz bekommt, dass noch Platz für anderes ist. Du sollst Jesus heißen.
Nun es gibt ja auch Sachen, die haben wir uns selber eingebrockt, durch unseren Eigensinn und Dickschädel, unsere Unüberlegtheit, unsere Schuld. Aber selbst an die dürfen wir den Namen Jesus hängen. „Herr Jesus, hilf mir doch wieder raus.“, „Mach doch den Schaden gut.“, „Hilf mir doch damit zurecht kommen.“
Und erst recht bei allem anderen, was einfach über Nacht über uns hereinbricht, oder schon immer so ist und war. Was es auch ist, auch die ungelösteste Frage, die größte Gebundenheit, ich darf dem Kind, so sagen wir es doch, einen Namen geben. Ich darf ihm den Namen Jesus geben.
Dann sehe ich doch über, neben, hinter dieser Angelegenheit, immer in großen Buchstaben „Jesus!“: Jesus hilft mir. Jesus sorgt. Jesus geht mit. Jesus kümmert sich. Jesus ist dabei. Jesus bewahrt. Das ist doch etwas ganz Besonderes.
Und das ist Weihnachten 2014. Wie bei Josef. Aus einer Geschichte zum Davonlaufen wird etwas Wunderbares: Jesus. Jesus ist gekommen. Jesus ist da. Jesus an meiner Seite. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. (Amen)