Auf Teilen und Geben liegt Gottes Segen!

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Erntedankfest 2019 am 6. Oktober Text: Jesaja 58, 7-12

Anspiel zum Erntedankfest (nach Zuversicht und Stärke 2019/6 S. 9-11)

Steffen: Guten Morgen, Christoph!

Christoph: Guten Morgen, Steffen! Was ist denn mit dir los? Du siehst ja aus wie drei Tage Regenwetter!

Steffen: Schlimmer, ich fühle mich wie zwei Wochen lang nicht geduscht.

Christoph: Was bedrückt dich denn so?

Steffen: Ich fühle mich irgendwie so schmutzig. Natürlich nicht äußerlich, sondern mehr innerlich. Heute feiern wir Erntedankfest, und ich bin wirklich dankbar für die Lebensmittel, die wir haben…

Christoph: Aber?

Steffen: Aber ich lebe nicht so! Die meisten Menschen in Deutschland leben nicht so, als ob sie wirklich dankbar wären für das Essen.

Christoph: Das ist eine mutige Behauptung, Steffen. Woher willst du das wissen?

Steffen: Weil ich kürzlich wieder ein altes Stück Kuchen in den Müll geschmissen habe. Dazu eine Gurke, verfallene Milch und übriges Mittagessen von vor ein paar Tagen.

Christoph: Warum hast du denn das Mittagessen weggeschmissen?

Steffen: Ich schäme mich fast dafür es zu sagen: Aber es gab immer so viel Anderes zu essen, sodass ich es einfach vergessen habe. Und am Ende musste ich es wegschmeißen, weil es schlecht war.

Christoph: Hm, kommt mir irgendwie bekannt vor. Hab ich auch schon oft gemacht

Steffen: Siehst du, genau das ist der Grund, warum ich denke, dass die meisten Menschen in unserem Land nicht so leben, wie es dem Erntedankfest entsprechen würde. Pass auf ich hab noch ein Beispiel für dich

Steffen geht und holt drei unterschiedlich große Kartons und eine Mülltonne

Christoph: Okeeee, Eine Mülltonne und drei unterschiedlich große Kartons. Was hat das jetzt zu bedeuten?

Steffen: Ich hab mal eine Frage an dich: Wie viel Kilo Essen schmeißen wir in Deutschland pro Person in den Müll? 15 kg im Jahr, 25 kg oder 40 kg? Zeigt entsprechend große Kartons. Na, was schätzt du?

Christoph: Puhhh, ich hab keine Ahnung. Mal überlegen. 15 kg, das wären ca. 20 Brote…..oder 150 Tafeln Schokolade. Bei einer Famillie mit vier Personen wären das dann schon 80 Brote oder 600 Tafeln Schokolade. 40 kg, das wären für eine 4-köpfige Familie bereits 210 Brote oder 1600 Tafeln Schokolade. Das kann ich mir kaum vorstellen. Ich nehme mal die goldene Mitte. Ich sag jeder Deutsche wirft pro Jahr ca. 25 kg Lebensmittel weg.

Steffen: Interessante Frage, oder? Vielleicht frag ich aber einfach mal die Gemeinde und bitte um entsprechendes Handzeichen. Nochmal zur Wiederholung 15, 25 oder 40 kg Lebensmittel pro Jahr pro Person? Fragt die Gemeinde….

Christoph: Und, was ist jetzt die Antwort?

Steffen: Alles bisherigen Antworten sind leider falsch! 15, 25, 45 kg, alles zu niedrig. Die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ schreibt, dass bei uns in Deutschland für jeden genau so viel Essen in den Müll geworfen wird: 80 kg! – Wirft alle drei Kartons in die Tonne Das wären übrigens mehr als 100 Brote oder 800 Tafeln Schokolade pro Person pro Jahr. Um es mit einer vierköpfigen Familie auszudrücken: 410 Brote, 3200 Tafeln Schokolade, die jährlich weggeworfen werden

Christoph: Das ist ne ganz schöne Hausnummer. Hätte ich nicht gedacht. Auch, wenn du mich mit deinen Antwortmöglichkeiten sauber hinters Licht geführt hast: Interessanter Aspekt und ich verstehe jetzt auch, warum dich das so bedrückt.

Steffen: Ja, nicht nur ich fühle mich so.

Christoph: Wer denn noch?

Steffen: Na, Gott!

Christoph: Gott??

Steffen: Ja, Gott, unser Schöpfer. Ihn bedrückt es auch, wenn die Einen Essen verschwenden, während anderen Menschen unter Hunger und Armut leiden.

Christoph: Woher willst du das wissen?

Steffen: Aus der Bibel. Pass auf, ich lese dir einmal ein paar Sätze vor, die Gott durch den Propheten Jesaja (58, 7) gesagt hat: liest aus der Bibel vor: Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!

Die Hungernden nicht einfach abspeisen, sondern an den eigenen Tisch einladen, das ist eine große Herausforderung, die Gott von uns verlangt.

Christoph: In der Tat. Wenn ich durch die Stadt gehe und einen Bettler sehe, werfe ich gerade mal eine Münze in den Becher. Und das auch eher selten und wenn, dann wegen dem schlechten Gewissen….Aber in die Wohnung einladen, daran hab ich noch nie gedacht. Was ist mit den vielen Menschen in anderen Ländern, die unter Hunger leiden? Die können wir doch gar nicht Alle einladen? Denen können wir noch nicht mal das Essen schicken, das heute Mittag vielleicht übrig bleibt!

Steffen: Das geht natürlich nicht, aber ich glaube trotzdem dass wir manchen Menschen direkt helfen können. Unsere Erntedankgaben sind dafür ein gutes Beispiel, finde ich. Die gehen ja direkt an die Diakonische Jugendhilfe. Ich will dir übrigens noch Etwas zeigen! Holt eine Schale mit Reis und spricht zur Gemeinde und Christoph Das ist eine Dessertschale. Ich liebe Dessert. Da ist aber kein Nachtisch drin, sondern eine Tagesration Essen!

Christoph: Essen für den ganzen Tag? In dieser kleinen Schale? (Schaut in die Schale) Da ist ja nur Reiß drin!

Steffen: Richtig! Eine Schale Reis. Jeden Tag. Mehr nicht. Weißt du wie viele Menschen mit so wenig Essen leben müssen?

Christoph: Ich lag eben schon beim Raten sauber daneben…Sag‘s mir lieber gleich, Steffen. Und spann mich nicht auf die Folter

Steffen: Also gut. Zwei Drittel der Weltbevölkerung haben nicht mehr zu essen als eine Schale Reis pro Tag. Das sind ca. 5 Milliarden Menschen. Das ist in etwa wie wenn alle, die hier auf dieser Seite im Altarraum sitzen, plus alle Kirchenbesucher der Empore heute ausschließlich einen Kloß ohne Sauce zu essen bekommen. Für den ganzen Tag wohlgemerkt, und das nicht nur heute, sondern auch morgen, und übermorgen, die ganze Woche, den Rest des Jahres und das ganze Leben.

Christoph: Gabs da nicht neulich so ne Aktion?

Steffen: Ja, genau, darauf wollte ich ja hinaus. Die Aktion hieß â€žEine Schale Reiß“ und fand vergangene Woche statt. Menschen sollten probieren sich eine Woche nur mit einer Schale Reis pro Tag zu ernähren.

Christoph: Und, hast du mitgemacht?

Steffen: Ich habs versucht…sagen wirs mal so. Aber hab schon an Tag 3 aufgegeben. Ich habs einfach nicht geschafft mit so wenig Essen auszukommen.

Christoph: Also hat die Aktion gar nichts gebracht!

Steffen: Doch! Ich bin ganz neu dankbar geworden, dass wir so viel zu essen haben. Und dass ich, meine Familie und Freunde mehr als eine Schale Reis am Tag haben dürfen. Und ich hab mir fest zwei Dinge vorgenommen: 1. Ich will Reste aufessen, auch wenn ich Appetit auf etwas Anderes habe. Es kann doch nicht sein, dass Essen im Mülleimer landet, nur weil ich keine Lust mehr drauf habe! 2. Ich will darauf achten, dass ich nicht zu viel einkaufe. Manchmal greife ich bei einem Sonderangebot kräftig zu, bloß weil es billig ist, und dann wird vieles schlecht.

Christoph: Und der positive Nebeneffekt dabei: Du sparst auch noch Geld… Naja Steffen. Danke für die hilfreichen Beispiele. Aber ich denke wir gehen jetzt mal wieder vom Altar runter. Pfarrer Schöppel wollte glaube ich noch eine paar Worte sagen….

Danke, lieber Christoph, lieber Steffen, nicht nur für die wichtigen Gedanken, die Ihr uns da nahe gebracht habt und für die Ehrlichkeit, mit der Ihr Euer eigenes Verhalten angesprochen habt. Wahrscheinlich haben wir uns alle irgendwo betroffen gefühlt. – Es wird niemand unter uns sein, der noch nie Essen weggeworfen hat.

Danke auch, dass Ihr mir die Chance gebt auch noch was zu unserem Predigttext aus dem Propheten Jesaja zu sagen. Vielleicht ist es gut, wenn ich ihn nochmal lese: Jes 58, 7-12 (Hoffnung für alle): Teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen! Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, und meine Herrlichkeit beschließt euren Zug. Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: ›Ja, hier bin ich.‹

Beseitigt jede Art von Unterdrückung! Hört auf, verächtlich mit dem Finger auf andere zu zeigen, macht Schluss mit aller Verleumdung! Nehmt euch der Hungernden an und gebt ihnen zu essen, versorgt die Notleidenden mit allem Nötigen! Dann wird mein Licht eure Finsternis durchbrechen. Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag.

Immer werde ich, der Herr, euch führen. Auch in der Wüste werde ich euch versorgen, ich gebe euch Gesundheit und Kraft. Ihr gleicht einem gut bewässerten Garten und einer Quelle, die nie versiegt. Euer Volk wird wieder aufbauen, was seit langem in Trümmern liegt, und wird die alten Mauern neu errichten. Man nennt euch dann ›das Volk, das die Lücken in den Mauern schließt‹ und ›Volk, das die Straßen wieder bewohnbar macht‹.

Das sind klare Forderungen. Ein hoher Anspruch! Zugleich aber auch gewaltige Zusagen. Der Prophet macht im Namen Gottes klar, dass unser Verhalten etwas mit unserem Ergehen zu tun hat. Wir sollen nicht nur auf der Nehmerseite sein. Wer mehr hat als er braucht und sich der Not der Welt verschließt, handelt nicht im Sinn Gottes. Auf Teilen und Geben liegt Segen.

Immer wieder sagen uns Fachleute, dass eigentlich genug für alle da wäre. Aber es ist nicht gerecht verteilt. Für die Hungernden in der Welt ist doch nicht Gott verantwortlich, sondern der Mensch. Auch wir. Und Erntedankfest ist nicht nur ein Wohlfühlfest, an dem wir uns über den gut gefüllten Bauch streichen und zufrieden auf die gefüllten Regale schauen sollen. Erntedankfest ist – versteht man es recht – immer auch eine kritische Anfrage an unseren Umgang mit Lebensmitteln. Damit meine ich Lebensmittel im weitesten Sinn.

Dazu gehören auch Kleidung und Medikamente, Trinkwasser und Energie. Wie gehen wir um mit den Ressourcen? Was lassen wir den anderen übrig? Und was beanspruchen wir selbstverständlich für uns, was vielen ihr ganzes Leben lang vorenthalten bleibt?

Die Gedankenlosigkeit, mit der wir konsumieren und wegwerfen gefällt Gott mit Sicherheit nicht. Sie ist Sünde, die uns genauso von Gott trennt, wie Diebstahl, Ehebruch, Körperverletzung, ja wie Mord. Oder wie muss man das bezeichnen? Wenn die einen so viel haben, dass sie es regelmäßig wegwerfen und gleichzeitig irgendwo auf der Welt viele verhungern, verdursten oder von verunreinigtem Wasser krank werden und sterben.

Leitungswasser, das man bedenkenlos trinken kann. Bei uns selbstverständlich, in vielen Gebieten der Welt unerreichbar. Ist es nicht schlimm, dass alle Anstrengungen unternommen werden, die Raumfahrt voranzubringen, künstliche Intelligenz zu schaffen, autonomes Fahren zu entwickeln und zahllose andere fragwürdige Neuerungen, aber viel zu wenig unternommen wird gegen den Hunger und für sauberes Wasser für alle Menschen.

Ist es nicht auch ein Grundrecht des Menschen, satt zu werden und keinen Durst zu leiden? Dieses Prophetenwort macht ganz klar, dass Gott von den Besitzenden fordert, zu teilen. Er macht sogar seinen Segen davon abhängig, dass jeder, der kann bereit ist zu teilen:

Beseitigt jede Art von Unterdrückung! Hört auf, verächtlich mit dem Finger auf andere zu zeigen, macht Schluss mit aller Verleumdung! 10 Nehmt euch der Hungernden an und gebt ihnen zu essen, versorgt die Notleidenden mit allem Nötigen! Dann wird mein Licht eure Finsternis durchbrechen.

Jeder von uns kann dazu in seinem Umfeld einen kleinen Beitrag leisten. Auch das ist praktizierter Erntedank. Das beginnt beim Umgang mit Lebensmitteln, ja schon beim Einkauf. Sollten wir uns nicht öfter fragen: Wo kommt das her, was ich kaufe? Wie wurde es hergestellt? Wie wurden die Menschen entlohnt, die dafür gearbeitet haben?

Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit sind genauso Sünden wie Maßlosigkeit und Verschwendung. Ein verantwortlicher Umgang mit dem vielen, was wir haben fängt, nicht beim Einkauf an, sondern schon vorher. Eigentlich beginnt der rechte Umgang mit allen Lebensmitteln und Konsumgütern beim Danken. Wenn ich ganz bewusst für das danke, was ich in meinen Einkaufswagen lege: Dass es zur Verfügung steht, dass ich es mir kaufen kann, dass ich mich dran freuen darf. Wofür ich dankbar bin, das verschwende ich nicht. Das ist mir wertvoll.

Da vorne im Altarraum sehen wir heute einen kleinen Ausschnitt von unserem Reichtum. Einige aus unserer Gemeinde machen es sich dankenswerterweise jedes Jahr zur Aufgabe, dafür groß einzukaufen und liebevoll aufzubauen, was wir da sehen. Sie tun es gern, mit Freude und weil es sie mit tiefer Dankbarkeit erfüllt, dass wir so reich sind und keine Not leiden.

Die Sachen werden in den nächsten Tagen in kleinen Portionen weitergegeben an Menschen und Einrichtungen, die es brauchen können und die sich freuen, dass man an sie denkt. Es gibt ja auch bei uns immer mehr Menschen, die rechnen müssen und sich nicht alles leisten können.

So verstanden und durch die Prophetenworte angeregt, ist das Erntedankfest Anlass und Anstoß das eigene Handeln zu überdenken, Gott zu danken und wo es nur möglich ist, in seinem Sinn zu handeln. Genau das will Jesus mit seinen Worten und mit seinem Handeln erreichen, dass wir nach dem Willen Gottes fragen, dass wir aus Wertschätzung von Gottes Gaben damit in seinem Sinn umgehen.

Bei der Speisung der 5000 wird berichtet, dass Jesus, nachdem alle satt waren, die Reste sammeln ließ. Man hätte sie ja auch liegen lassen können. Das Brot, das Jesus verteilt hatte, war ja im Überfluss da. Nein! Nichts wurde verschwendet. Jesus sagte (Joh 6, 12): Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt! 12 Körbe mit Resten kamen zusammen und wurden mit Sicherheit verwertet. Damit nichts umkommt!

Mit verantwortlicher Planung kann man schon beim Einkaufen, das Wegwerfen vermeiden. Und wenn man das dabei eingesparte Geld der Welthungerhilfe, Brot für die Welt oder Misereor spendet, dann hat man auch seine Verantwortung für Menschen in Not wahrgenommen. Und solches Handeln wird von Gott mit Segen belohnt.

Es ist noch nie jemand dadurch verarmt, dass er Notleidende unterstützt hat. Jesus spricht in der Bergpredigt (Mt 6,3): Wenn du aber Almosen gibst, so lass die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Gott bleibt uns nichts schuldig. Im Gleichnis vom Weltgericht sagt der Weltenrichter (Mt 25,40): Was ihr einem von diesen, meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.

Und die da so in einer Not geholfen haben, denen wird zugerufen (Mt 25, 14): Kommt her ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.

Jesus hat das in Vollkommenheit vorgelebt. Er gibt nicht nur alles was er hat – er hatte ja gar keinen Besitz – sondern er gibt sich selbst für uns als Brot des Lebens. Im Abendmahl schenkt er sich dir und mir, damit uns Volle Vergebung zuteilwird. Auch für all das, was wir durch Verschwendung oder Undankbarkeit schon gesündigt haben. Jesus wirkt in uns Erneuerung. Neues Denken und Handeln auch im Umgang mit den Lebendmitteln.

Danke, Herr, dass du auch bei mir alles neu machst. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168