Alles hat seine Zeit

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Predigt am Altjahresabend 2023 in der Kreuzkirche Bayreuth: Pred. 3, 1-15

Liebe Gemeinde, wie war das zurückliegende Jahr 2023 für Sie? Durchwachsen? So wie unser ganzes Leben … Das Leben enthält Schönes und Schweres, Licht und Schatten. Wir wollen oft nur Schönes. Das Leben soll schön sein. So denken Kinder und sie müssen oft mühsam lernen, dass die Wirklichkeit eben einen andere ist. Und manchmal stehen wir als Erwachsene auch in der Gefahr, so zu denken: es soll einfach alles schön und ohne Schwierigkeiten sein. Dabei war das Leben selbst von Beginn der Schöpfung an, als noch gar nicht von Sünde die Rede war, schon von Kontrasten geprägt. Man braucht nur mal den Schöpfungsbericht lesen. Gott trennte Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Land und Wasser. Gott hat nicht die Gleichförmigkeit, sondern die Gegensätzlichkeit gewollt. Und Gott hat die Zeit geschaffen, um all diesem Gegensätzlichen den Raum zu geben. Wir dagegen versuchen alles gleich zu machen- das ist die große Tendenz unserer Zeit. Nur keine Unterschiede mehr ausdrücken, das könnte ja intolerant sein. Wir versuchen, Gegensätze zusammenzuführen, statt auch den Reiz und den Segen im anderen zu sehen. Das harmloseste: Wir machen durch künstliche Beleuchtung die Nacht zum Tage und tun uns schwer mit einem Leben in Kontrasten. Deutlich schwieriger ist folgende Haltung: Wir erwarten von unserer Lebenszeit eher die Gleichförmigkeit, und möglichst viel Glück, Zufriedenheit, Wohlstand. Und im Gegenzug möglichst wenig Pech, Unzufriedenheit, Finanznot und Krankheit. Und theologisch ausgedrückt wird es in folgender Haltung verhängnisvoll: Wir möchten lieber Ostern, aber bitte ohne Karfreitag und Weihnachten, aber bitte ohne die Bußzeit Advent. Deshalb verdrängen wir auch immer mehr Verlust, Krankheit und Tod aus unseren Gedanken und auch aus unserem Gesichtsfeld. Längst wird still gestorben in medizinischen Einrichtungen und selten zu Hause. Längst rücken die Friedhöfe an den Stadtrand, damit sie nicht mehr das Leben stören.

Und doch: Gott gibt beidem, Schönem und Schwerem, Raum in seiner Schöpfung und in seiner Zeit. Und wir tun gut daran, wenn wir uns ganz nüchtern dieser Tatsache stellen. So wie es der Prediger tut im Predigttext von heute aus Prediger 3: ein sehr nüchterner Text:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2 Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. 9 Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. 10 Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. 11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. 12 Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. 13 Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. 14 Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll. 15 Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.

Alles hat seine Zeit, so lautet die Grundaussage des weisesten Königs von Israel, von Salomo. An dieser Grundaussage lassen sich drei weitere Aussagen festmachen:

  1. Alles hat seine Zeit – Gott gehört sie.
  2. Alles
    hat seine Zeit – Gott begrenzt sie.
  3. Alles
    hat seine Zeit – Gott verwandelt sie.

Das Erste: Alles hat seine Zeit – Gott gehört sie

Wir leben alle auf Pump. Wenn ich jetzt noch dreißig Jahre zu leben hätte, wären das 1.560 Wochen. Hört sich vielleicht nach viel an, ist aber schnell vorbei. Jemand erzählt im Blick auf den Lauf der Generationen: »Erst gestern hielt ich mein Baby im Arm. Es war klein und schutzbedürftig. Es war so hilflos. Ich drückte es fest an mich und hielt es warm. Vor einer Stunde hielt ich die Hand meines kleinen Mädchens. Es hatte Angst, war unsicher und befangen. Meine große starke Hand gab ihm Sicherheit. Vor einer Minute drückte ich meine Tochter an mich. Sie war verletzt und weinte. Ihr Herz war verwirrt. Ich hielt sie fest und richtete sie auf. Vor einer Sekunde schritt meine Tochter als Frau an meinem Arm. Sie war hochgewachsen und stark. Voller Leben. Ich ließ sie los und sah zu, wie sie wegging.«

So schnell vergeht die Zeit. Wie schnell sind kleine Kinder groß. Und wie schnell ist man plötzlich 50, habe ich dieses Jahr gedacht. Kann denn niemand die Zeit anhalten? Nein, keiner. Gott gehört die Zeit, auch unsere Lebenszeit. Wir können noch so viel Zeit herauszuholen versuchen, moderne elektronische Kalender nutzen, die Zeit wird dennoch nicht mehr. Wir können aber auch das kostbare Gut Zeit sorgfältig genießen und zu Ruhezeiten nutzen, weil Gott ja die Zeit geschaffen, aber von Eile nichts gesagt hat. Zwar kann man – um mit Goethe zu sprechen, zum Augenblick sagen: »Verweile doch, du bist zu schön.« Doch wir können nichts festhalten, nichts verlängern, nichts verkürzen.

Wenn Gott sagt: »Jetzt ist es Zeit für dich«, dann spielt es keine Rolle, wie viele Jahre ich noch hier auf der Erde gerne zugebracht hätte. Meine Zeit gehört Gott. Meine Zeit steht in seinen Händen. In einem Kinderlied heißt es: Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, sein ist auch die Ewigkeit. Das ist ein Kinderlied. Haben wir Erwachsene die Botschaft begriffen? Und weil es nun so ist, dass ich alle meine Lebenszeit von Gott geschenkt bekommen habe, deshalb kann ich mir auch die verschiedenen Zeiten des Lebens stärker bewusst machen. So wie es der Prediger hier tut. Ich kann mir bewusst machen, dass Arbeiten seine Zeit hat, aber auch Beten seine Zeit hat. Dass Feiern seine Zeit hat, aber auch Fasten seine Zeit hat. Anders gesagt: Dass ich die Zeit nicht nur aus Gottes Händen nehme, sondern dass ich sie in Gottes Hände auch wieder zurücklege. Und das ist gar nicht so einfach. Denn wir werden ständig mit immer neuen und weiteren Anforderungen bombardiert, ob bei der Arbeit, in der Schule oder auch in der Gemeinde. Ständig muss irgendetwas bewältigt werden, ständig steht etwas an, wir hetzen von Termin zu Termin, wir haben den Eindruck, die Zeit rennt uns davon. Wie schnell ist das zurückliegende Jahr vergangen. Und das vor uns liegende wird nicht minder schnell eilen.

Eigentlich müssten wir mittels unserer modernen Technik immer mehr Zeit zur Verfügung haben. Aber genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Überall hört man nur Klagen, stehen die Menschen stärker unter Zeitdruck. Nächstes Jahr haben wir ja 366 Tage, also einen Tag mehr. Wie wäre es, wenn wir uns diesen einen Tag ganz bewusst als einen Tag der Stille vor Gott nehmen? Es muss nicht der 29.02. sein. Planen wir doch einfach jetzt schon mal einen ganzen Tag bewusst in der Stille ein, wenn wir schon diesen Tag 2024 einfach so geschenkt bekommen.

Wie hat es Jesus mit seiner Zeit gemacht? Trotz seines ungeheuren Arbeitspensums hat es Jesus geschafft, täglich Zeit und Ort für die Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater zu finden. Sehr früh am Morgen stand er auf, um an einem einsamen Ort zu beten. Jesus war dadurch der Herr seiner Zeit. Er wusste immer, wann seine Stunde gekommen war.

Und wie ist das bei uns? Unsere überfüllten Terminkalender strotzen vermutlich nicht gerade vor Terminen mit Gott – weder persönlich noch im Gemeindeleben. Vielleicht liegt gerade darin der Grund, warum wir uns überfordert und frustriert fühlen und uns mehr Zeit wünschen, um allem gerecht zu werden. Vielleicht sollten wir uns deshalb auch einmal die Frage stellen: Was würde geschehen, wenn ich diese Arbeit oder jene Aufgabe einfach nicht mehr tun würde? Vermutlich gar nicht so viel. Wir müssen es in der Kirche auch lernen, uns zu beschränken. Wir können nicht mehr alles weiter so machen wie bisher. Die Hauptamtlichen werden weniger und den Ehrenamtlichen kann man auch nicht immer mehr draufpacken. Wir werden Dinge bleiben lassen müssen auch hier in der Kreuzkirche und in Heinersreuth. Sie sehen es an diesen zwei Tagen schon: heute Gottesdienst in der Kreuzkirche und keiner in Heinersreuth und morgen umgekehrt. Und ich kann sie nur bitten: gehen Sie diese Wege in die verschiedenen Kirchen mit, falls es ihnen kräftemäßig und logistisch möglich ist. Es ist ziemlich nebensächlich, ob ein Gottesdienst hier oder 4 km weiter gehalten wird. Es kommt auf Gottes Wort an uns an. Und auch andere Gemeindethemen werden wir neu strukturieren müssen, damit das Wichtig bleibt. Ich habe mir zur Regel gemacht, dass Seelsorge immer Vorrang vor anderen Terminen und Aufgaben hat, damit keiner lange warten muss. Da kann es schon sein, dass eine verwaltungsmäßige Tätigkeit mal etwas nach hinten rutscht.

Gott hat jedenfalls unendlich viel Zeit für uns. Sein Terminkalender hat immer Platz für unsere Anliegen. Was hindert uns daran, unsere Zeit neu zu gewichten, zumal sie doch Gott gehört? »Jedes Kalenderblatt ist ein Wertpapier, dessen Kurs wir selbst bestimmen«, hat mal einer klug gesagt. Also: alles hat seine Zeit, aber Gott gehört sie.

Zum Glück für uns gehört Gott nicht nur die Zeit, nein, er begrenzt sie auch. Das ist das Zweite:

II Alles hat seine Zeit – Gott begrenzt sie.

In dieser Aussage steckt zunächst einmal viel Tröstliches. Für einen Christen gibt es kein unendliches Leid, das sich bis in alle Ewigkeit fortsetzt, keinen unaufhörlichen Schmerz, der niemals endet. Spätestens mit dem Tod setzt Gott allem, auch dem Schrecklichsten, eine Grenze. Dass Gott alles in der Zeit begrenzt, hat aber nicht nur Tröstliches, sondern auch Schmerzliches. Denn damit ist auch unsere Liebe begrenzt zu einem Ehepartner etwa oder eben überhaupt das Leben. Wie viele Menschen habe ich in diesem Jahr auf dem Friedhof begleitet und wieviel Trauer war hier zu spüren. Das ist der von Gott gesetzte Lebensrhythmus. Begrenztes Dunkles und begrenztes Helles gehören zu meinem Leben dazu, ob ich das will oder nicht. Gott hat seinen Gläubigen keine leidensfreie Welt, auch kein sorgenfreies Leben versprochen. Im Gegenteil: Jesus kündigt seinen Jüngern sogar an, dass sie gehasst und verfolgt werden. Ein Leben nur voll Lachen und Tanzen ist uns nicht verheißen.

Lachen oder Weinen wird gesegnet sein, so heißt es in der Bibel. Gott ist in der einen Zeit wie in der anderen Zeit mir nahe. Gottes Verhältnis zu mir verändert sich nicht. Es ist nicht von diesen Gegensätzen bestimmt, als ob sich Gott in schweren Zeiten von mir zurückzöge und in schönen Zeiten mir besonders wohlgesonnen wäre. So stehen wir manchmal in der Gefahr zu denken, aber das ist theologisch sehr zu hinterfragen. Und ob ich schon wandere im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Gottes Liebe ist nicht launisch und schwankend und von unseren Lebensumständen abhängig. Er ist treu! Sein Verhältnis zu mir verändert sich nicht.

Aber mein Verhältnis zu Gott kann sich verändern, weil ich und meine Gefühlslage mich verändere. Manchmal fühle ich mich Gott nahe, manchmal meilenweit von ihm entfernt. Manchmal meine ich, seine Liebe intensiv zu erleben, manchmal erscheint er mir nur fremd und abweisend. Aber wenn alles seine Zeit hat, dann darf ich alles im Vertrauen auf Gott aus seiner Hand nehmen, Schönes und Schweres gleichermaßen. Wenn es aus seiner Hand kommt, hat es eine ganz andere Qualität als Schicksal, Zufall oder Glück und Pech. Gott hat mir alles zugemessen, in umgrenzter Zeit, also in einem begrenzten Maß. Und Gott handelt zur rechten Zeit, also rechtzeitig, auch wenn es mit meinem Kalender und meinen zeitlichen Erwartungen nicht immer übereinstimmt. Meine Herausforderung besteht darin, in guten Zeiten ihm zu danken, in schwierigen Zeiten ihn zu suchen, in ruhigen Zeiten ihn zu ehren, in leidvollen Zeiten ihm zu vertrauen.

Das führt uns zum Dritten und Letzten:

III: Alles hat seine Zeit – Gott verwandelt sie.

Der Prediger, König Salomo, bekennt: »Ich merkte, dass alles, was Gott tut, für ewig besteht.« Ja, wir Menschen erfahren Begrenzungen, und das ist auch gut so. Aber Gott ist ewig. Und wer sein Vertrauen jetzt schon auf ihn setzt, der wird selbst auch Ewigkeit erleben. Das ist eine große Verheißung. Gott wandelt unsere Zeit in Ewigkeit. Das führt nicht zur Weltflucht, aber wir können darauf achten, Zeitliches und Ewiges besser zu trennen. Wir üben es ein, uns mehr auf das Letzte und weniger auf das Vorletzte konzentrieren. Wir dürfen den Dingen und Erfahrungen unseres Lebens den Platz geben, der ihnen zukommt, ohne sie für absolut oder ewig anzusehen. Das ist wichtig: Denn wer jetzt keine gute Zeit für die Ewigkeit hat, der hat einmal in der Ewigkeit keine gute Zeit.

Natürlich ist es klar: Wir können uns Ewigkeit nicht vorstellen. Wir haben zwar manchmal den Eindruck, dass manche Dinge sich ewig hinziehen. Zum Beispiel, wenn wir einen freien Parkplatz entdeckt haben, obwohl die Ampel noch rot ist; oder wenn wir drei Minuten Liegestützen machen; oder wenn wir dreißig Minuten einer langweiligen Predigt zuhören. Sekunden können zu Stunden werden. Zeit ist etwas Relatives. Ewigkeit aber ist von ganz anderer Qualität als Zeit. Was Ewigkeit wirklich bedeutet, davon haben wir keine Ahnung. Gleichwohl haben wir tief in uns eine Sehnsucht nach Ewigkeit. Wir sehnen uns nach mehr als bloß nach den paar Jährchen hier, die so schnell vorbeigehen. Aber wir können unsere Zeit nicht zur Ewigkeit weiten. Zum Glück nicht. Aber wir können uns an den halten, der Zeit in Ewigkeit verwandelt: an den Schöpfer der Zeit und den Herrn der Ewigkeit. Und wir können voll Erwartung darauf zu leben. Dazu zum Schluss noch eine kurze Geschichte:

Einer Frau wurde eine unheilbare Krankheit diagnostiziert. Der Arzt sagte, sie hätte noch drei Monate zu leben. Sie fing also an, alles in Ordnung zu bringen und zu organisieren. Sie rief auch den Pfarrer an und bat ihn, zu ihr zu kommen, um ihre Wünsche für die Beerdigung abzusprechen. Sie sagte ihm, welche Lieder gesungen werden sollten, welche Bibeltexte gelesen werden sollten und in welchem Kleid sie beerdigt werden wollte. Als der Pfarrer gehen wollte, erinnerte sich die Frau an ein wichtiges Detail, das sie vergessen hatte.

Sie teilte also dem überraschten Pfarrer mit, sie wollte einen Löffel in der rechten Hand halten, wenn sie im Sarg aufgebahrt werde. Dem Pfarrer fehlten buchstäblich die Worte. Die Frau fing an ihm zu erklären: In all den Jahren, in denen ich an den vielen Empfängen teilnahm, wurde ich immer mal wieder daran erinnert, meinen Löffel zu behalten, wenn das Geschirr abgeräumt wurde. Und ich freute mich dann immer, denn ich wusste, dass noch etwas Besseres kommen würde! Leckere Schokoladendesserts, Kuchen, Apfelstrudel oder Eis. Irgendetwas Wunderbares, was das Mahl abrundete. Ich möchte daher, fuhr die Frau fort, dass die Leute, die mich im Sarg sehen, sich wundern, warum ich den Löffel in der Hand halte. Und ich will, dass Sie ihnen dann sagen: „Behalten Sie ihren Löffel, das Beste kommt noch!“ Und so kam es dann auch: Auf der Beerdigung gingen die Menschen an ihrem Sarg vorbei und sahen ihre Bibel in der linken Hand und … den Löffel in der rechten! In der Predigt erklärte der Pfarrer dann die großartige Hoffnung, welche die Verstorbene über ihren irdischen Tod hinaus mit diesem Löffel verband.

Also in all den Vergänglichkeitserfahrungen auch aus diesem Jahr und in aller Nüchternheit, die uns der Prediger mit seinen Versen heute gelehrt hat, wollen wir in dieser Ewigkeitshoffnung über die Schwelle des neuen Jahres gehen: „Behalten Sie ihren Löffel, das Beste kommt noch!“ Denn es gilt, wie wir es in der letzten Strophe des Vortragslieds gleich hören werden:

Gott macht es gut, und gut ist auch das Ziel, das er mit dir und mir erreichen will. Es lohnt sich immer zu vertraun und durchzuglauben bis zum Schauen. Drum bleib dabei, Gott ist dir treu: Gott macht es gut. Amen.

Verfasser: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther
Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail:
friedemann.wenzke@elkb.de