Advent ist Gottes Alternativprogramm zur Jagd nach Kaufen, Besitzen und Verzehren

Zur PDF

1. Advent 02.12.18 Matthäus 21, 1-11 mit KV Einführung

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten…

Seit Wochen ist es nicht zu übersehen, dass die Adventszeit vor uns liegt. Im Oktober wurde das Winterdorf vor dem Alten Schloss aufgebaut, im November haben die Mitarbeiter der Stadt wieder die Girlanden aufgehängt, am letzten Montag wurde der Weihnachtsmarkt eröffnet. In den Vorgärten und an den Häusern der Wohnstraßen ist wieder der Wettstreit der Hausbesitzer entbrannt, wer die meisten und die buntesten LED-Ketten installiert hat.

Am letzten Samstag war ich kurz im Rotmaincenter um ein Geschenk für einen Geburtstag zu besorgen. Da herrschte dichtes Gedränge und die Weihnachtsbeleuchtung und Dekoration war 8 Tage vor Advent schon fertig. Das ganze Land ist mitten in der dunklen Zeit lichtermäßig aufgerüstet. Man erwartet neue Rekorde. Wahrscheinlich wird im Weihnachtsgeschäft die 100 Milliarden-Umsatzgrenze geknackt.

Jedes Jahr denkt man, eine Steigerung ist eigentlich nicht mehr möglich. Ist das der Sinn von Advent und Weihnachten? Was hat das mir dem Ursprung, mit der Botschaft, mit dem Sinn von Advent und Weihnachten zu tun? Wir hier in unserer Kirche/Kapelle haben nichts. – Außer einem Stern und einem Adventskranz. Und da brennt noch nicht einmal eine Kerze.

Ich hab es mir extra für die Predigt aufgehoben, die Kerze für den ersten Advent anzuzünden. – Kerze anzünden – Eine Kerze, ein Licht. Ein Hoffnungszeichen. Wie der Stern, der den Suchenden den Weg zeigte. Aber das ist doch nichts im Vergleich zu den vielen Lichtern, Strahlern und Ketten um uns herum. – Und doch ist es ein Zeichen, eine Erinnerung an den Einen, der kommt. Mitten in einer dunklen Welt voller Schrecken und Ängste. Ein ruhiger Moment mitten in hektischer Zeit. Die Kerze blinkt nicht, sie blendet nicht, wechselt nicht die Farben und sie lärmt nicht. Sie strahlt mit gleichmäßiger Helligkeit, gibt Wärme ab und erinnert uns an den, der gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Und wer eine Kerze in Verbindung mit Jesus und Gottes Wort bringt, dem fällt vielleicht noch das Psalmwort ein: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Wort Gottes zeigt den Weg und der Sohn Gottes, Jesus, hat gesagt: „Ich bin der Weg…“ Wohin führt sein Weg? Er führt zu Gott, zum Ursprung, zur Heimat. Und zu einem Leben, das bleibt. – Alle anderen Wege führen letzten Endes in den Tod und zu einem Leben, das nur kurz aufflackert und vergeht.

Advent ist Gottes Alternativprogramm zur Jagd nach Kaufen, Besitzen und Verzehren. Advent ist nicht Event, sondern Atempause, nicht Hetze, sondern Entschleunigung, nicht Lärm, sondern Stille. Wieder neu Warten lernen. Erwartungsvoll werden. Mit Gott rechnen. Die alten Lieder und Gebete können dabei helfen: Wenn wir singen oder beten – vielleicht beim Schein einer einzigen Kerze:

Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist, ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein.

Wenn wir ernstlich so bitten, dann kommt er, der freundliche Gott. Er kommt nicht nur zu solchen, die auch immer freundlich sind, sondern auch zu denen, die das Lachen oder sogar das Lächeln verlernt haben. Er kommt zu denen, die überfordert sind und kein Land mehr sehen. Zu denen, die sich nicht mehr freuen können, weil sie immer nur Trauriges erleben. Er kommt zu denen, die Angst haben vor morgen, vor jeder Entscheidung und vor jedem Schritt in die Zukunft.

Er kommt um zu helfen und um Heil zu bringen in eine heillose Welt. Eine Welt, die sich nur um sich selber dreht, voller Menschen, die sich ohne dieses Heil und dieses Licht auch nur um sich selber drehen. In diese Welt kommt Gott durch Jesus und lädt uns ein, dass wir uns von Jesus mitnehmen lassen in seine Welt. In die Welt der Liebe und der Freundlichkeit, in die Welt der Zukunft und des Lebens.

Auch unser Predigttext für diesen 1.Advent will uns herausnehmen aus falschen Vorstellungen über Advent und mitnehmen auf den Weg, den Jesus kommt und den er uns mit ihm zu gehen einlädt.

In Jerusalem feierte man damals ein großes Fest, zu dem aus dem In- und Ausland viele Tausend Menschen gekommen waren. In der Stadt und auf den Märkten herrschte dichtes Gedränge. Es wurde Geld ausgegeben und eingenommen, überall war es laut und jeder war geschäftig. Da kommt Jesus über den Ölberg und auf die Stadt zu. – Aber lassen wir uns die Geschichte von Matthäus erzählen. Sie steht im 21. Kapitel seines Evangeliums in den ersten 11 Versen:

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!

Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.

Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf.

Aber siehe, eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Jesus setzt Zeichen. Das Zeichen des Messias. Wer die Worte der alten Propheten kannte, verstand und wusste, was das zu bedeuten hat: So war es vom Messias, vom Retter und Heiland angekündigt: Wenn er einst kommt, dann kommt er diese Straße über den Ölberg, zieht durch das Osttor nach Jerusalem ein. Und er kommt nicht auf einem edlen Pferd, sondern auf einem jungen Esel. Sein Hoheitszeichen ist nicht das stolze Ross. Er verbreitet nicht Schrecken mit Waffen und Rüstung, sondern er kommt im Zeichen des Friedens und hat ein sanftes Wesen. Vor ihm läuft niemand davon. Vor dem auf dem kleinen Esel fürchtet sich keiner, sondern er ist das personifizierte „Fürchte dich nicht!“

Die vielen wichtigen und beschäftigten Leute in der Stadt haben von seinem Kommen gar nichts bemerkt. Sie hatten mit sich zu tun und mit ihren Wünschen. Sie mussten auf ihren Geldbeutel aufpassen und Preise vergleichen. Ihre Taschen waren voll und auch auf ihre neuen Klamotten mussten sie auch achten. Sie haben nichts von dem bemerkt, der da unterwegs war und zu ihnen kommen wollte.

Es war, damals wie heute, nur ein kleiner Teil der vieltausend Menschen in Jerusalem, die auf Jesus gewartet haben und die sich über sein Kommen gefreut haben. Und noch weniger haben begriffen, wer er ist und wie wichtig es ist, dass er kommt. Matthäus weist drauf hin: Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.

Dein König kommt sanftmütig zu dir. Zum wiederholten Mal begegnet der Sohn Gottes den Menschen auf eine besonders zarte und behutsame Art. Damals als Kind in der Krippe schon so, dass niemand vor ihm erschrocken ist, sondern dass die, ihn gesehen haben, angerührt waren und von seiner Liebe so überwältigt, dass sie niederknieten und anbeteten.

Und auch hier beim Einzug nach Jerusalem geht von ihm ein überwältigender Friede aus. Der da auf dem jungen Esel daherkommt und freundlich lacht, blickt nicht vom hohen Ross auf die Leute, sondern ist auf Augenhöhe mit dem Volk. Sie hören auf die Worte der Verheißung und erkennen hinter dem schlichten Mann die göttliche Hoheit. Sie spüren seine große Liebe und werden erfüllt mit ebensolcher großen Liebe zu ihm.

Das kann man an zwei Dingen beobachten: Zum einen empfangen sie ihn offen und herzlich. Nichts ist ihnen zu schade für Jesus. Sie nehmen ihre Festumhänge von den Schultern und breiten sie auf den Weg. Es ist kein roter, sondern ein recht bunter Teppich für den Mann auf dem kleinen Esel. Es spielt für sie keine Rolle, dass ihre Kleidungsstücke dabei schmutzig werden, vielleicht sogar Löcher oder Risse kriegen. – Sicher war auch der junge Esel nicht stubenrein. Was soll ‘s! Egal, es ist für den König, der da kommt.

Und das ist das Zweite: Sie rufen laut hinaus, was sie durch den Geist Gottes erkannt haben: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Nicht ganz einfach zu übersetzen, dieser Ausruf „Hosianna“, darum hat Luther ihn auch im Original stehen lassen: Hosianna! Man kann es verstehen als eine begeisterte Ehrerbietung: Heil dir! Aber auch als Hilferuf: Hilf uns, du hast doch die Macht! – Warum bejubelt ein Volk seinen König? Weil es hofft und erwartet, dass ihr König sie gut und gerecht regiert.

Die Könige dieser Welt haben ihre Völker nur allzu oft enttäuscht, sie unterdrückt, ihnen Unrecht getan, sie ausgenommen und gedemütigt. Wie anders dieser König! Er geht in diese Stadt Jerusalem, obwohl er weiß, dass der Jubel bald verstummen wird und die jubelnden Hosianna Rufe bald umschlagen werden in ein hasserfülltes „kreuzige ihn!“ Er demütigt niemanden, sondern lässt sich demütigen für sein Volk.

Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt…“

Darüber sollt ihr jubeln und voll Freude singen: Gelobt sei mein Gott! Mein Heiland reich von Tat. Ein König, ein Heiland, der eingreift, der etwas tut, der hilft, tröstet, Schuld abnimmt, Hoffnung schenkt, Mut macht. Dem muss man nicht nachlaufen, der kommt! Siehe, dein König kommt zu dir!

Er kommt nicht zu denen, die sich selbst genug sind. Nicht zu denen, die nur Geld ausgeben und Geld einnehmen im Sinn haben und die nur ihre schicken Klamotten und ihr raffiniertes Menu im Sinn haben. Er kommt zu allen, die ihn suchen und die auf ihn warten. Vielleicht nur mit einer kleinen Kerze. Oder die ganz im Dunkeln sind und die seufzen, weil sie enttäuscht sind, verlassen wurden, so viel verloren haben, oder weil sie alles falsch gemacht haben und überhaupt immer nur alles falsch machen. Zu denen kommt er, wenn sie nur wollen, dass er kommt und darum bitten, dass er kommt:

Komm, o mein Heiland Jesus Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.

Wer sich die Zeit nimmt, so zu beten, vielleicht auch zu singen, wer still wird und auf die Verheißungen Gottes hört und sie im Glauben festhält, zu dem kommt er ganz gewiss. Und den steckt er an mit seiner Freude, seiner Barmherzigkeit, mit seiner Liebe und Freundlichkeit.

Das ist Advent und das will Advent bewirken, dass wir neu mit Jesus gehen, auf Jesus hoffen und alles von ihm erwarten. Ganz egal wo wir stehen, welche Verantwortung wir haben, was unsere Aufgabe im Alltag ist. Wir dürfen, wir sollen in die Welt dieses Licht tragen und allen weitersagen, was Jesus uns gesagt hat und immer wieder sagt: Fürchtet euch nicht! Gott hat euch lieb, Groß und Klein! Seht auf des Lichtes Schein!

Herr Jesus, du bist unser König. Du kommst zu uns. Um keinen von uns machst du einen Bogen. Niemand ist für dich zu unbedeutend oder zu schlecht. Du kommst, so wie du zu den Zöllnern und Sündern, zu Zachäus und zu den Aussätzigen gekommen bist. Du hast sie alle angerührt und ihnen Heil geschenkt. Du kommst auch zu uns. Kommst in deinem Wort (und in den Gaben des Abendmahls zu uns. Du rührst auch uns an durch Brot und Wein) und machst heil, was bei uns krank ist. Wir danken Dir dafür.

Amen.

 

Verfasser: Martin Schöppel (c) , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168