âDu sollst nicht versuchenâ (Frauensonntag)
Zur PDFLätare 11.03.18 „Du sollst nicht versuchen“ (Frauensonntag)
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Wir wollen in der Stille, jeder für sich, um den Segen für diese Predigt bitten. … Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.
Das Schriftwort für die Predigt zum Frauensonntag steht bei Matthäus im 4. Kapitel: Da wurde Jesus vom Geist Gottes in die Wüste geführt, wo ihn der Teufel versuchen sollte. Und als er 40 Tage und 40 Nächte gefastet hatte, quälte ihn der Hunger.
Da trat der Versucher zu ihm und sprach: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot!“ Jesus antwortete und sprach: „In der Heiligen Schrift steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (5.Mose 8,3)
Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt (Jerusalem) und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: „Spring hinunter! Du bist doch Gottes Sohn. Und es steht doch geschrieben: Gott wird seine Engel schicken, sie werden dich auf den Händen tragen und du wirst deinen Fuß nicht an einen Stein stoßen.“ (Ps.91,11.12) Da sprach Jesus zu ihm: „Es steht aber auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn nicht versuchen!“ (5.Mose 6,16)
Dann führte ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche dieser Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: „Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“
Da sprach Jesus zu ihm: „Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott und ihm allein dienen.“ (5.Mose 6,13) Da verließ ihn der Teufel und die Engel Gottes kamen und dienten ihm.
Eine Schlüsselstelle in der Weltgeschichte und eine der entscheidenden Situationen der Heilsgeschichte, die uns der Evangelist Matthäus da miterleben lässt. Was wäre wohl geschehen, wenn der Sohn Gottes auch nur einer dieser Versuchungen nachgegeben hätte?
Dann hätte es keinen Leidensweg für ihn gegeben, kein Kreuz, aber auch keine Auferstehung und keinen Sieg über den Tod. Dort in der Einsamkeit der Wüste hat sich die Zukunft entschieden. Die Zukunft des Jesus von Nazareth und auch unsere Zukunft.
Du sollst nicht versuchen… – Jesus sagt: Du sollst Gott deinen Herrn nicht versuchen. Die Bibel macht an vielen Stellen deutlich: Du sollst nicht versuchen gegen Gott zu handeln, seine Gebote zu missachten. Du sollst nicht versuchen, dich in den Mittelpunkt zu stellen. Unser Leben ist vollgepackt mit Versuchungen. Alleine können wir ihnen nicht widerstehen. Nur wer sich an Jesus hält, hat eine Chance. Ja mehr noch, der steht auf der Seite des Siegers. Mit ihm und nur mit ihm können auch wir in den Versuchungen unseres Lebens bestehen. Und wenn wir nicht bestehen, mit ihm wieder aufstehen.
Für alle ernstlich Glaubenden wird es Jahr für Jahr deutlicher, dass der Böse, die Bibel nennt ihn Teufel oder Satan, immer mehr an Macht und Einfluss in der Welt gewinnt, besonders in unserer westlichen Wohlstandswelt. In Worten, Bildern und Tönen präsentiert und produziert er sich öffentlich und versucht möglichst viele Menschen von Gott weg zu bringen.
Er ist gut vernetzt. In den Medien, im Internet, überall mischt der Teufel mit. Wohin wir auch schauen, die Werke des Bösen prägen unsere Zeit. Gewalt, Brutalität, missbrauchte Sexualität, Betrug und Lüge, Werke der Finsternis, werden propagiert und praktiziert. Mit falschen Versprechen von Glück und Erfolg fängt der Versucher die Seelen ein. Aber sie finden nicht Macht und Glück, sondern Sinnlosigkeit und Verzweiflung.
Es ist ein Merkmal letzter Zeit, so sagt es Johannes in der Offenbarung, dass der Teufel besonders offen und frech wirkt. Aber schon in apostolischer Zeit trat er dreist und unverschämt auf und wütete gegen die Kinder Gottes. Der Apostel Petrus schreibt in seinem ersten Brief: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben und wisst, dass eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.“ (1. Petrus 5, 8f)
Matthäus berichtet: Sogar an Jesus macht sich der Satan heran. Er ist, wie es im Hebräerbrief einmal heißt, „in allem versucht worden wie wir, doch ohne Sünde.“ Wenn mit unserer Macht gegen ihn nichts getan ist, wie Luthers in seinem Lied textet, dann müssen wir nach einem Verbündeten suchen, der mächtig genug ist ihn abzuwehren: Das ist nur einer: Jesus!
Wir können dem Bösen nur widerstehen, wenn wir uns täglich unter den Schutz und die Macht Jesu stellen. Wer den Teufel nur verharmlost, nicht ernst nimmt, hält ihm nicht stand. Der erliegt der Versuchung. Denn wir haben, so schreibt Paulus an die Epheser, „nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Eph. 6,12)
Zahlreiche biblische Beispiele zeigen, dass der Satan in der Heiligen Schrift sehr ernst genommen wird. Alle zerstörerische Gewalt in unserer Welt ist sein Werk. Mit menschlichen und übermenschlichen Werkzeugen versucht er seine Ziele zu verwirklichen: Unheil anrichten, Menschen unglücklich machen und vor allem uns von Gott trennen.
Hier in der Wüste, bei Jesus, zieht er alle Register seines Könnens. Aber Jesus zeigt, wie man den Versuchungen des Bösen begegnen muss. In den drei Bereichen, in denen Satan Jesus angreift, versucht er auch uns immer wieder zu Fall zu bringen.
Er beginnt mit der leiblichen Not. Nach seiner Taufe ist Jesus, vom Geist Gottes bewegt, in die Wüste gegangen. Er hat die Stille gesucht und das Gebet. Um Gottes und seines Auftrags willen verzichtet er für 40 Tage auf alles, auch auf Nahrung. Nach so langer Zeit hat er Hunger und ist schwach. Da setzt der Teufel an: Bei unserem Hunger, unseren Sehnsüchten und Schwächen. Er verspricht, zu geben, wonach wir uns so sehnen, wenn wir nur tun, was er uns vorschlägt.
“Sprich, dass diese Steine in der Wüste Brot werden, du kannst es doch!“ flüstert er Jesus zu. Es ist doch so einfach! Du bist doch allein hier, es sieht doch keiner! – Tu doch einfach, wozu du Lust hast, erfüll dir deine Wünsche! – Ist das nicht die Lebensart unserer Zeit: Sich alle Wünsche erfüllen. Möglichst sofort. „Jetzt genießen, später bezahlen.“ Ein typischer Slogan des Teufels: „Jetzt genießen, später bezahlen.“ Warum noch warten? Warum verzichten? – Der Genuss ist schnell vorbei, aber es muss lange bezahlt werden.
Der Herr Jesus lässt sich nicht darauf ein. Er greift auf ein Wort aus der Heiligen Schrift zurück und wehrt die erste Versuchung damit ab: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“ Was heißt denn das? – Lebensglück und Zufriedenheit sind nicht davon abhängig, dass man sich alle seine Wünsche gleich erfüllt, dass man sich alles nimmt, auch das, was einem gar nicht zusteht. Erfüllt und glücklich leben kann nur, wer auf Gottes Wort hört und sich an seine Ordnungen und Gebote Gottes. Wer seine Worte sucht und annimmt. Mahnende und tröstende, Mut machende und vergebende Worte.
Warum ist denn gerade unter Wohlhabenden und Erfolgreichen die Unzufriedenheit so groß? Sie können sich doch alle materiellen Wünsche erfüllen, jeden Luxus leisten. Traumvilla, Traumreise, Traumwagen, Traumklamotten und sind doch oft traurig und einsam. – Warum? – Weil der Mensch vom Brot allein, von Gaben und Gütern, von Reichtum und Besitz, von Spaß und Action allein eben nicht leben kann, sondern Worte Gottes noch mehr braucht als tägliches Brot.
Der zweite Versuch Satans Jesus für sich zu gewinnen ist eine ultimative Herausforderung. No risk, no fun! Zeig, was du kannst! Nicht nur für dich allein, sondern vor allen. Mach dir Fans! Spring vom Tempeldach! Es kann dir ja nichts geschehen. Es wird dir nichts geschehen. Das Wort Gottes garantiert es dir. Du wirst deine Füße nicht an einen Stein stoßen. Du überlebst das unbeschadet. Und du wirst sehen, wie sie dich bewundern und verehren, dich anerkennen und dir zujubeln. Wenn du das machst, dann bist du der Größte.
Hier geht es um Ansehen und Erfolg, um die eigene Ehre, nicht um Gottes Ehre. Sogar noch getarnt mit frommen Worten soll Gott auf die Probe gestellt werden. Herausforderung Gottes, überschreiten von Grenzen, die er gesetzt hat. Ist das nicht auch ein Merkmal unserer Zeit? Zeig, was Du kannst! Zeig, was Du hast! Den Rock noch ein bisschen kürzer, das Dekolleté tiefer, der Bikini knapper. Sei waghalsig! Spring in die Tiefe – am Bunge-Seil oder als Basejumper! Fahr noch schneller! – auf zwei oder vier Rädern. Herausforderungen!
Genauso auch in Wissenschaft, Forschung und Technik. Experimentieren mit Bausteinen des Lebens. An Grenzen gehen, Grenzen überschreiten. Viele Berge im Himalaja sind zu Friedhöfen geworden, auf denen Herausforderer abgestürzt, erfroren oder an Überanstrengung gestorben im ewigen Eis liegen. Auch in den Alpen kommen Jahr für Jahr viele um, die beim Klettern, Skifahren oder Snowboarden Grenzen überschritten, Sperrungen missachtet haben.
Herausforderer müssen aber gar nicht immer sportlich sein. Es gibt sie auch hinter Schreibtischen und an Biertischen, an Verhandlungstischen und Operationstischen. Manche gehen mit Messer und Gabel permanent über die Grenzen dessen, was ihr Körper verkraften kann oder mit Pillen und Energy-Drinks, die sie schlucken. Auch die Gesellschaft, in die ich mich begebe, die Reden, die ich schwinge, können Herausforderung Gottes sein. Da geht es um die Präsentation des „Ego“. Ich kann das! Ich bin der Mittelpunkt der Welt.
Du sollst Gott, deinen Herrn nicht versuchen! sagt das Wort Gottes. Der Versucher will das Gegenteil erreichen. Auch auf geistlichem Terrain gibt es die Versuchung gegen Gott: Ich brauche keinen Gottesdienst. Ich kann auch allein zu Hause beten. Ich brauche die Gemeinschaft der anderen nicht. Ich brauche nicht jeden Tag in der Bibel lesen. Man könnte noch viele solche Herausforderungen anfügen. Sie alle leben von einer Fehleinschätzung. Von dem verhängnisvollen Irrtum, alles selbst im Griff zu haben: Mir kann doch nichts passieren.
Die freche Herausforderung: Der liebe Gott passt schon auf mich auf, ist etwas anderes, als das kindliche Vertrauen, der Herr sorgt für mich. Herausforderer leben immer gefährlich. Wenn sie nicht umkehren, werden sie umkommen.
Bei seinem dritten Angriff auf Jesus kommen die wahren Ziele des Teufels zum Vorschein: … „wenn du niederfällst und mich anbetest.“ Er verspricht alles und hält nichts. Vergiss Gott, dann geht’s dir gut! Leb deine Freiheit! Genieße dein Leben, es ist kurz genug. Scher’ dich nicht um Gebote und Ethik! Lass deine Skrupel! Wem solche Gedanken kommen, der kann nur das tun, was der Herr hier auch tut: Weg mit dir, Satan, denn es steht geschrieben: Bete allein Gott, deinen Herrn an und gehorche ihm! Jeder Glaubende kennt auch die Versuchung, den Glauben aufzugeben, wenn alles misslingt, wenn Gebete ins Leere zu gehen scheinen, wenn einen Menschen enttäuschen. Aber wer den Glauben aufgibt, der gibt das Leben auf und damit seine Zukunft. Wer durchhält und dem Teufel Widerstand leistet, erlebt, was Jesus erfährt: Der Teufel muss weichen und Mächte Gottes sind spürbar da.
Wenn es im Glauben um Herausforderungen und Entscheidungen geht, wenn es den Versucher abzuwehren gilt, brauchen wir Gottes Wort und Gebet, Geduld und Gehorsam, Gebote und Glauben, Gemeinschaft und Gottesdienst.
Die ersten beiden sind die wichtigsten: Gottes Wort und Gebet. Aber auch Geduld und Gehorsam sind notwendig. Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir, sagt Jesus. Das heißt auch die Gebote achten und Gottes Ordnungen gelten lassen, den Glauben nicht aufgeben! Allein kann das niemand von uns. Wir brauchen dazu Gemeinschaft mit anderen Christen und als Mitte der Gemeinde den Gottesdienst, in dem uns Jesus begegnet, mit seiner Liebe und Wahrheit, mit seinem vergebenden Blut. Er gibt Kraft in Versuchungen zu bestehen!
So schreibt es Johannes in seinem 1. Brief: Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Darum dürfen wir ihn bitten, für uns und für die ganze Welt. Er hat die Macht dazu. Sie ist ihm von Gott gegeben im Himmel und auf der Erde. Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168