4000 Punkte
Zur PDFPredigt über Gal. 5, 25-6,10 am 25.09.2022, Kreuzkirche Bayreuth
Liebe Gemeinde,
bevor ich über den heutigen Text predige, möchte ich erstmal etwas Grundsätzliches klären. Und ich tue das mit Hilfe einer Geschichte: Als ein Mann starb, erschien er bei Petrus an der Himmelstür. Er grüßte kurz und ging auf die Tür zu. Aber Petrus stellte sich dazwischen: „Nun mal langsam, so schnell geht das nicht!“ – „Was ist denn? Stimmt was nicht, kann ich hier etwa nicht rein?“ – Petrus: „Das woll’n wir mal sehen.“ „Gibt es hier denn besondere Bedingungen? ich bin doch ein anständiger Mensch gewesen!“ – Petrus: „Hat dir denn keiner gesagt, wie man hier hereinkommen kann? Bist du denn keinem Christen begegnet, oder hat dir das kein Pastor gesagt?“ – „Ich kenne viele Christen, auch einen netten Pastor. Aber vom Sterben und vom Himmel haben wir nie gesprochen.“ Petrus: „Wenn dir das bisher keiner gesagt hat, dann sage ich es dir: Hier muss man 4000 Punkte haben.“ – „4000 Punkte? Wie ist das denn gemeint? Davon weiß ich ja gar nichts!“ – Petrus: „Was hast du denn vorzuweisen? Zähl mal auf!“ – „Also, ich war ziemlich oft in der Kirche. “ – Petrus: “ Ein Punkt. “ – „Als meine Frau schwer krank war, habe ich sie Tag und Nacht gepflegt.“ „Ein Punkt.“ – „lch hab‘ viel für Hilfsaktionen gespendet.“ „Auch ein Punkt.“ Als dem Mann nichts mehr einfiel, sagte Petrus: „Ich kann ja mal das dicke Buch holen, in dem wir alles mitgeschrieben haben. Für dich ist da auch eine Seite. Aber eins sage ich dir im Voraus. Für jeden gibt es da 2 Spalten: eine für die Pluspunkte und eine für die Minuspunkte.“ Da wurden ihm die Knie weich und er sagte ganz kleinlaut: „Wer kann denn dann hier hereinkommen?“ – Petrus: „Das hat unsern Vater auch bewegt, deshalb hat er mit seinem Sohn überlegt, was zu tun wäre. Von den 4000 Punkten ist er aber nicht abgegangen. Da ging der Sohn auf die Erde. Er hält nun jedem seine Hände hin und bietet ihm an: „Gib mir deine Minuspunkte. Ich nehme sie mit ans Kreuz. Da habe ich dafür gebüßt.“ Wer nun zum Kreuz kommt und sich Jesus ausliefert, der bekommt 4000 Pluspunkte auf einmal geschenkt. Und wenn er dann hierher an die Himmelstür kommt und Jesus Christus im Herzen hat und sich zu ihm bekennt, steht ihm die Tür weit offen. – Eins muss ich noch ergänzen Das kann man nur auf der Erde klären.“
Also: die 4000 Punkte, um im Bild zu bleiben, die hat Jesus uns geschenkt. Das darfst auch du glauben und über deinem Leben gelten lassen. Darauf kannst du felsenfest dein Leben bauen. Deine Seligkeit kannst Du dir nicht selbst schaffen. Die bekommst du von Jesus geschenkt. Das will ich am Anfang dieser Predigt nochmal klar sagen.
Und doch geht es dann um die Frage, wie ich als von Gott erlöster Mensch lebe. Was erwartet und wünscht sich Gott von mir und seiner Gemeinde auf dem Weg zum Ziel? Nicht um mir noch irgendwie den Himmel zu verdienen, sondern um ein glaubwürdiger Zeuge Jesu zu sein. Um in der Spur auf dem Weg zum Ziel zu bleiben.
Wir alle kennen wohl eine Schnitzeljagd: ein Pfeil aus Holzstücken auf dem Weg, frische Sägespäne am Waldboden: Das sind klare Zeichen für eine Schnitzeljagd. Wer daran teilnimmt, muss die Augen offenhalten. Man muss nach dem nächsten Hinweis suchen, um die richtige Spur nicht zu verlieren. Wer die Spur verliert, wer einer falschen Fährte folgt, für den ist die Sache gelaufen. Bei einer Schnitzeljagd kommt alles darauf an, der richtigen Spur zu folgen.
Noch viel wichtiger aber ist es, dass wir mit unserem Leben in der richtigen Spur bleiben, dass wir im Glauben nicht die Spur verlieren. Dass die Christen in Galatien und auch wir heute die richtige Spur für unseren Glauben und unser Leben finden, darum geht es dem Paulus in unserem Predigttext: Galater 5, 25–6, 10 –
Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.
26 Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. 6 1 Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. 2 Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. 3 Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. 4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. 5 Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen. 6 Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern. 7 Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. 8 Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. 9 Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. 10 Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.
Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Mit diesem Satz hat Paulus das Thema vorgegeben, um das es beim Christsein entscheidend geht.
Was Paulus meint, wird klarer, wenn wir das Wort, das in unserer Bibel mit »wandeln« übersetzt ist, in seiner ursprünglichen Bedeutung sehen. Wörtlich heißt es: »in einer Reihe gehen«: wie die Soldaten, wenn sie marschieren. »nicht ausscheren« oder noch treffender: »in der Spur von jemand bleiben«. Mir fällt sofort das Lied ein: Jesu, geh voran, auf der Lebensbahn. Da heißt es weiter: und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen. Darum geht es: um die Jesusnachfolge, um das bleiben in der Spur von Jesus.
Lied: Jesu, geh voran (EG 391)
Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch in der Spur des Geistes bleiben. Wenn wir zu Jesus Christus gehören, wenn wir mit ihm leben, dann legt Gottes Geist eine Spur für unser Leben, dann gibt er uns einen Weg vor, den wir gehen können. Und er möchte, dass wir in seiner Spur gehen. Dass wir auf seinem Weg bleiben. Daran zu erinnern ist nötig, weil es eben auch andere Spuren gibt. Verführerische Spuren. Falsche Spuren. Spuren, die uns in Wirklichkeit von dem Ziel, das Gott für uns bestimmt hat, wegführen. Und noch schlimmer: Es gibt Menschen, die legen falsche Spuren. Die locken Christen weg von der Spur, die der Heilige Geist gelegt hat, auf einen anderen Weg.
Paulus nennt diesen falschen Weg »Fleisch« im Gegensatz zum »Geist«. Bei „Fleisch“ dürfen wir jetzt nicht an den Mezger denken. Theologisch bedeutet »Fleisch«, dass Menschen mit ihrem Leben auf ihre eigene Kraft, ihre Willensstärke, ihre Erfahrung, ihren Verstand, ihre eigenen Fähigkeiten vertrauen. Und Gott? Er rückt für sie in den Hintergrund. An die Stelle der Kraft, die er ihnen schenken will, haben sie ihre eigene Stärke gesetzt. Statt ihm zu vertrauen, vertrauen sie lieber auf sich selbst. Statt an seinen Geboten orientieren sie sich lieber an dem, was ihnen richtig erscheint oder was zeitgemäß ist.
Doch Vorsicht: es gibt auch die fromme Spielart dieser falschen Spur: Paulus ist ihr in Galatien begegnet. Dort nämlich, wo Menschen meinen, aus eigener Kraft so leben zu können, wie Gott es will. Die glaubten: Wenn wir uns nur anstrengen, wenn wir nur die Gebote im Alten Testament erfüllen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Sie wollen sich also aus eigener Kraft den Himmel verdienen.
Doch »Fleisch und Geist« – diese beiden Spuren passen nicht zusammen. Die laufen weit auseinander. Die Spur des Fleisches, des Auf-sich-selbst-Setzens – und mag es noch so fromm aussehen – sie führt letztlich ins Verderben.
Gott aber möchte, dass unser Leben gelingt, dass wir an seinem Ziel ankommen. Darum legt Gottes Geist klare Spuren. Und er lädt uns ein, konsequent in diesen Spuren zu bleiben.
Drei klare Spuren des Geistes für unser Leben habe ich in diesem Predigttext entdeckt:
1. Eine klare Spur – für den veränderten Blick auf uns selbst
Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten. Wörtlich schreibt Paulus: Lasst uns nicht leer und kraftlos glänzen. »Glänzen können – vor anderen glänzend dastehen« – sind wir ehrlich: wer von uns will das nicht?
Es tut uns einfach gut, wenn uns jemand lobt. Und das sollen wir auch. Uns gegenseitig loben. Wie viele Konflikte in der Ehe, in der Familie, in der Gemeinde, im Beruf könnten wir vermeiden, wenn wir wertschätzender miteinander umgehen würden. Das ist mir selbst erst in dieser Woche wieder schmerzlich bewusst geworden. Wenn wir sehen und auch ansprechen würden, was der andere leistet und auch wie der andere es leistet. Das würde so viel Frieden schaffen und auch mehr Verständnis, wenn es mal nicht so läuft. Nur keine falsche fromme Bescheidenheit beim Loben! Denn wir müssen unterscheiden: das eine ist das Loben, das ist deine und meine Aufgabe. Aber was der andere aus dem Lob macht, das ist nicht mehr deine Aufgabe oder deine Verantwortung. Dafür ist der Empfänger selbst verantwortlich. Denn das Problem liegt nicht am anderen, der mich lobt. Das Problem liegt bei mir selbst, wenn mir das Lob zu Kopf steigt. Oder wenn ich alles tue, um gut dazustehen, Punkte vor anderen zu sammeln und mich vor anderen gut darzustellen. Wenn ich das alles tue, um Lob einzuheimsen, nur um mein altes Ego zu fördern und zu streicheln. Glänzen wollen – das steckt in uns Menschen.
Dieser Glanz mag vielleicht Menschen beeindrucken – doch der lebendige Gott sieht hinter die Fassade. Gott weiß, wie leer, kraftlos und verlogen dieser Glanz oft ist, den Menschen sich in der Spur des Fleisches, mit ihrer eigenen Kraft erarbeiten wollen.
Hierher gehört auch, was Paulus schreibt: Wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Vor Gott zählt unser selbst erarbeitetes Ansehen nicht.
Gottes Geist legt eine andere Spur: Das, was unserem Leben Glanz verleiht: wirklichen, echten Glanz; das, was unser Leben reich macht, das ist nicht etwas, was wir erarbeitet haben.
Was uns glänzen lässt, das ist vielmehr, dass Gott uns lieb hat – bedingungslos. Was unser Leben wertvoll macht, ist, dass er seinen Sohn für uns dahingegeben hat. Was uns Ansehen verschafft ist, dass wir durch ihn mit Gott versöhnt sind. Ja, dass Gott uns zu seinen Kindern macht. Das ist der Glanz und die Anerkennung, die wirklich zählen, die vor Gott zählen, die wirklich echt sind: das, was Gott uns in seinem Sohn Jesus Christus schenkt. Das was an dir glänzt, das bist du nicht selbst: das ist die Krone der Barmherzigkeit Gottes. Die glänzt und leuchtet und die darfst du als geschenkte glänzende Krone tragen. Wenn das für uns zählt, dann weicht der Druck von uns, vor Menschen einen eigenen Glanz aufbauen zu müssen.
Dann können wir auch auf das andere Grundübel unserer Geltungssucht verzichten: Dass wir uns ständig mit anderen vergleichen müssen. Paulus macht uns in diesen Versen klar: Das Vergleichen ist nie die Spur des Heiligen Geistes: Ein jeder prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem anderen. Weisst Du: In Gottes Augen bist du unendlich wertvoll. Du brauchst den anderen nicht, um dich selbst zu erhöhen, indem du ihn runterputzt. In Gottes Augen bist du unendlich wertvoll. So wertvoll, dass er seinen Sohn für dich sterben ließ. Das gilt es zu begreifen und danach zu leben: Das ist die klare Spur des Heiligen Geistes – für den veränderten Blick auf uns selbst.
2. Eine klare Spur – für den Umgang mit dem anderen
Einer trage des Anderen Last. So werdet Ihr das Gesetz Christi erfüllen. Diese Spur darf keine Theorie bleiben, sondern muss praktisch werden. Gustav Werner, ein wichtiger württembergischer Theologe mit einem Herz für Diakonie sagte: »Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert«.
Darum macht Paulus an einem ganz praktischen Beispiel deutlich, was das heißen kann, die Last des anderen zu tragen: Da ist einer in der Gemeinde schuldig geworden. Und die anderen wissen um diesen Fehltritt und um seine Schuld. Wie nun damit umgehen?
Zu sagen: »Das geht mich doch nichts an. Das ist dem seine Sache.« Das mag zwar bequem sein, und diese Haltung ist heute auch weit verbreitet, aber Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit sind niemals die Spur, die Gottes Geist uns vorgibt.
Er möchte vielmehr, dass wir einander annehmen, dass wir uns umeinander mühen und dass wir einander zurechthelfen mit sanftmütigem Geist.
Dass wir die Sünde verharmlosen oder unter den Teppich kehren nach dem Motto: »Ach komm, das ist doch nicht so schlimm!« das hieße wieder, einer falschen Spur folgen und es sich einfach zu machen.
Und noch eine falsche Spur liegt für uns so nahe: Dass wir meinen, besser zu sein als der, der da schuldig geworden ist. Und dass wir jetzt auf ihn herabsehen, den Kopf schütteln und ihn verurteilen.
Aber Paulus warnt uns vor aller Überheblichkeit: Sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Wohl uns, wenn wir wissen: Ja, auch mir hätte das passieren können! Ich habe zweieinhalb Jahre Gefängnisseelsorge in meinem Berufsleben ausgeübt. Und eine meiner erschreckenden Erkenntnisse war: wer weiß, wozu ich selbst alles fähig gewesen wäre, wenn ich anders aufgewachsen, geprägt und sozialisiert worden wäre. Wer weiß, ob ich nicht auch ein Verbrecher, Krimineller oder gar Mörder geworden wäre. Das darf keinen Straffälligen einfach als billige Entschuldigung dienen. Aber mir als gut bürgerlichen Menschen tat diese Einsicht gut und sie holt mich manchmal ein, wenn ich in Gefahr stehe, mich in der Höhe zu versteigen. Sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.
Einer trage des Anderen Last. Nirgends sehen wir deutlicher, welche Spur uns der Heilige Geist hier führen will, als an Jesus. Er, der unsere Last getragen hat. Er, der ohne Sünde war, aber sich für uns zur Sünde machen ließ. Er, der unsere Sünde auf sich nahm und sie ans Kreuz weggetragen hat. Jesus wurde auf Golgatha zum Lastenträger für uns alle.
Weil er sich unter unsere Last gestellt hat, darum können auch wir uns nun unter die Last des anderen stellen – und mittragen, zurechthelfen, trösten und aufrichten.
Wie kann das konkret aussehen? Zum Beispiel Rücksicht nehmen auf die Schwächeren. Langsam und einfache Wege gehen mit dem, der nicht mehr anders kann. Mit Kranken ihre Krankheit aushalten. Viel zuhören. Für ihn oder sie da sein. Das können kleine Gesten der ganz konkreten Hilfe sein. Das kann auch die Hilfe für arme Menschen in anderen Teilen der Welt oder zunehmend in unserem Land sein. Des Anderen Last zu tragen, bleibt eine lebenslange Aufgabe. Sie muss immer wieder neu buchstabiert werden. Was ist jetzt nötig? Was kann ich tun, um diesen einen Menschen neben mir zu entlasten? Die Einzelheit muss immer wieder neu geprüft werden. Auch unbedingt an der eigenen Kraft und den eigenen Möglichkeiten. Dem anderen ist nicht gedient, wenn wir uns vor lauter Fürsorge überfordern und selbst am Ende sind. Nur wer sich immer wieder mal zurückzieht, kann dann auch wieder mit voller Kraft voraus. Das ist wie beim Pfeil und Bogen. Er muss zurückgezogen sein, um Kraft nach vorne zu bekommen. Aber die Richtung insgesamt, die Paulus meint, ist eindeutig und klar. Wir müssen auf die anderen achten. Damit fängt Nächstenliebe an. Und in ihr ist alles erfüllt, was Gott von uns erwartet.
Die Spur, die Gottes Geist uns weist, das ist die Spur, auf der Jesus selbst uns vorangegangen ist. Und diese klare Spur soll unseren Umgang mit dem anderen prägen.
Wer auf dieser Spur geht, wer sich selbst von Jesus gehalten, getragen und beschenkt weiß, der braucht keine Angst zu haben, dass er selber zu kurz kommen könnte, wenn er dem anderen Gutes tut, wenn er ihm abgibt von dem, was Gott ihm anvertraut hat.
3. Eine klare Spur – für den Weg zu Gottes Ziel
Noch sind wir unterwegs. Noch haben wir das große Ziel nicht erreicht. Noch ist die Zeit der Ernte nicht gekommen, sondern noch ist Zeit zum Aussäen. Es kommt entscheidend darauf an, welches Feld wir bestellen und worauf wir säen: Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.
Die Spur des Geistes für den Weg zum Ziel heißt nach Paulus: Lasst uns Gutes tun und nicht müde werden. Lasst uns wach bleiben, lasst uns dran bleiben am Gutes-tun. Auch wenn wir nicht davon ausgehen können, dass sich dieser Lebensstil heute schon auszahlt. Auch wenn Enttäuschungen nicht ausbleiben werden. Auch wenn das gegen den Trend unserer Gesellschaft ist. Auch wenn uns viele klar machen wollen, dass man doch zuerst sein eigenes Schäfchen ins Trockene bringen muss.
Die Spur des Geistes heißt: Wir warten auf die Ernte. Wir warten auf das, was Gott für uns in der Ewigkeit bereithält. Auch wenn wir davon heute noch nichts sehen. Auch wenn viele uns nur müde belächeln und sich viel lieber an das halten, was sie heute schon sehen.
Wir warten auf die Ernte, wir haben eine lebendige Hoffnung und darum wollen wir nicht müde werden, auszusäen: Gutes zu tun.
Die Spur des Geistes für den Weg zum Ziel heißt also: Die Ernte im Blick haben, mit dieser Hoffnung erfüllt sein und zugleich die Zeit, die Gott uns jetzt gibt, als Chance begreifen, Gutes zu tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Die Zeit, die Gott uns gibt, als Chance zur Saat begreifen, weil die Ernte ganz sicher kommt.
Aber ganz wichtig: Es geht nicht um ein neues Regelwerk mit neuen moralischen Gesetzen und Vorschriften. Sondern zur Freiheit hat er uns befreit. Die Liebe Gottes hat Jesus gelebt. Und er hat sie Menschen in seiner Nähe erfahren lassen. Und deswegen sollen wir aus dieser Liebe leben und sie weitergeben. Dann können alle sehen, dass wir in dem Geist wandeln. Dann geben wir Gott die Ehre.
Liebe Gemeinde, diese drei klaren Spuren, (1) die klare Spur für den Blick auf uns selbst. (2) die klare Spur für den Umgang mit anderen, (3) die klare Spur für den Weg zu Gottes Ziel, die laden uns ein, heute ganz neu und konsequent auf diesen Weg der Nachfolge Jesu zu treten – und wir dürfen sicher sein: dieser Weg bringt auch uns ans Ziel. Amen.
Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de